Full text: Ausstellung von Gemälden aus dem Kreise Rembrandts

| | 3. PORTRÄT EINER BLONDEN JUNGEN FRAU MIT SPITZENKRAGEN. Für: dieses schöne Bild ist ein Beweis der Autorschaft Rembrandts schwer zu erbringen, da der Maler gerade in der Epoche von 1632—1635 als gesuchter Modeporträtist den ande- ren zeitgenössischen Porträtisten sehr nahe kam und seine Eigenart weniger hervortrat. Es wäre deshalb immerhin möglich, daß dieses Werk von einem anderen vorzüglichen Meister jener Epoche stammt. Doch zeigt das Bildnis erheb- liche technische und qualitative Abweichungen von sämtlichen gleichzeitigen Malern Hollands (Moreelse, Ravesteyn, Frans Hals, Gerrits Cuyp, Barth. van der Helst etc.), während es mit Rembrandts Porträts der Machteld van Doorn (Paris, Baron Rothschild) und dem gleichfalls ovalen weiblichen Bildnis bei van der Heydt (in Berlin) etc. vollkommen übereinstimmt. Auch ist es links oben: R 1635 signiert. Ich lasse: diese Frage offen. Der berühmte Maler Bonnat in Paris, der ein vorzüglicher Rembrandtkenner ist, hat das Bild apodiktisch dem Meister zugeschrieben, ebenso mehrere Persönlichkeiten im Haag* u.a. der Archivar Servaas van Royen, der in „L’Art“ einen Aufsatz über das Bild veröffent- lichte. Bode, dem das Bild vorgelegt wurde, spricht sich nicht bestimmt aus. Er schreibt: „Es ist ein gutes Bild, das den frühen Rembrandtschen Porträts, um 1632—1635 ähnlich sieht. Aber in der Behandlung ist es doch verschieden. Einen be- stimmten Namen kann ich leider nicht dafür nennen“. Der beste Kenner der holländischen Porträtschule wird für dieses Werk schwerlich einen zutreffenden Namen finden können, es wäre denn — eventuell — Rembrandt. 4. DAVID ÜBERREICHT KNIEND DEM SAUL DAS HAUPT DES GOLIATH. Skizzenhaft hingeworfenes pastoses Bildchen, das sich seit Jahren als „dem Rembrandt sehr nahestehend, vielleicht von Eeckhout oder Aert de Geldern“ in einer angesehenen Wiener Sammlung befand. Hoffstede de Groot bezeichnete es als Gerard Bleecker, Derselbe Forscher hat aber nachher ein ungefähr * Vgl. auch das Feuilleton. von Frau Hofrätin B. Zuckerkandl über die Amsterdamer Rembrandt-Ausstellung, Wiener Allgemeine. Zeitung, 15, September 1906; gleichwertiges, nur in Details abweichendes Bild, das auf einer Londoner Auktion auftauchte, als Rembrandt bezeichnet. Dieses zweite Bild ist jetzt als Leihgabe in der Münchener Pinakothek. Vergleiche an Ort und Stelle ergaben, daß BEIDE BILDER VON DERSELBEN HAND sein dürften, das Wiener Bild aber geschlossener im Kolorit ist. 5. TOBIAS UND SEINE FRAU. Grisaille. Das Bildchen, das aus höchstem Besitz stammt, zeigt in Beleuchtung und Behandlung Verwandtschaft mit Rembrandt, der bekanntlich dieses Thema mehrfach in größeren Bildern behandelt hat, ohne eine besondere Bedeutung beanspruchen zu können. Rechts undeutlich signiert: R.H.L. 6. RAHEL UND JAKOB AM BRUNNEN. Das farbenprächtige, effektvolle Bild, das von namhaften Autoritäten früher für ein italienisches und spanisches Werk gehalten wurde, ist meiner Ansicht nach sicher niederländisch; speziell die drei Figuren rechts sprechen, sowohl in der Art der Typen, wie in der Malweise dafür. Merkwürdig ist, daß die Figur der Rahel große Übereinstimmung mit mehreren Darstellungen der sogenannten „Schwester Rembrandts“ und die dahinter stehende, so schattenhaft hineinkomponierte Figur die Züge des jungen Rembrandt zeigt. Anderseits deutet die sich beugende Hirtin auf vlämische Beeinflussung. Das Bild ‘dürfte also von einem sehr virtuosen, dem Rembrandt nahe stehenden, aber auch von Vlämen und Franzosen beeinflußten Maler sein; vielleicht von Nikolaus Maes. Rechts oben in die nasse Farbe undeutlich signiert: Rbr. f. und eine verschwom- mene Jahreszahl. ; Einige andere, bisher nicht bekannte Werke von nieder, ländischen und italienischen Meistern wurden dieser Ausstellung einer geschlossenen Gruppe angegliedert. Es sind Gemälde von seltener Qualität, die aber einer besonderen Erklärung nicht bedürfen.
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