Full text: 244. Ausstellung – Oesterreichischer Kunst-Verein in Wien – November 1873

  
  
EEE »Ihr Väter, die ich nun € AT 
Von all’ den dunklen Makeln meines Lebens 
Gereinigt, wiedersehen werde, nimmer 
Vermocht ich Euren uralt heil’gen Wohnsitz 
Der Wuth empörter Sklaven zur Entweihung 
Zu überlassen! ‚Konnt” ich Euer Erbe 
Auch nicht bewahren Euch, wie ich’s empfangen, 
So bring’ ich doch das Werthvollste davon, 
Die Königshalle, Euren Thron und Schätze 
An Waffen, Denkmalen und Heiligthümern, 
Darin ‚sie schwelgen möchten, mit zu Euch 
In jenes Element, das allverschlingend 
Am meisten unserer Seele gleicht, des Stoffes 
Geringsten Theil mit seiner heissen Kraft 
Verzehrend; — und das, Licht des königlichsten 
Von allen Todes-Scheiterhaufen soll 
Nicht eine blosse Ranch- und Flammen-Säule, 
Ein Feuerzeichen sein für einen Tag 
Und dann ein Berg von Asche, — nein, ein Licht 
Zur Lehre Zeiten, ruhelosen Völkern 
Und üpp’gen Fürsten! Manches Volkes Ruhm 
Und manches Helden Thaten tilgt die Zeit, 
Sie wandelt Reich um Reich wie dieses erste 
Der Reich’ in Nichts, — doch meine letzte That 
Wird sie‘ verschonen und als Beispiel wahren, 
Dem Wenige zu folgen wagen, aber 
Dis Keiner wagt zu schmähen, —- Jeder meidend, 
Ein Leben, das zu solchem Ende führt.« 
Byron’s Trauerspiel »Sardanapalc. 
Oelbild. (Gemalt 1828) Eigenthum des Herrn Durand-Ruel in Paris 
100.000 Frances. 
5. Kauflbach Wilheim von, Director der k. Akademie in München. 
  
  
„Nero während der Christenverfolgung.‘“ 
Das Gemälde veranschaulicht den Zustand. der Menschheit in der 
bedeutungsvollen Epoche des Ueberganges. von der altheidnischen in die 
neue christliche Zeit, — den Kampf der heidnisch-römischen Welt, welche 
den Höhepunkt ihrer Bahn bereits hinter sich hatte, mit dem jungen, von 
Begeisterung für eine grosse Idee‘ emporgetragenen Christenthum. Der 
Meister, welcher die vier Cultur-Nationen, Römer, Germanen, Griechen 
und Juden, auf dem Bilde vereinigt, um die herannahende Zeit anzu- 
deuten, wo dieselben sich als Glieder der gemeinsamen Menschheit erkennen 
werden, hat seine Gedanken in zwei gewaltigen Gruppen ausgedrückt, deren 
obere das machtberauschte Kaiserthum, die untere das leidensstarke 
Christenthum in sich schliesst, — oben Siegesgenuss und überströmender 
Jubel, unten Kampf und thränenvoller Jammer. 
  
 
	        
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