Full text: 274. Ausstellung – Oesterreichischer Kunst-Verein in Wien – Februar 1877

  
  
18—67. Liezen-Mayer Alexander in München. 
Faust-Bilder. 
(Cyclus” von. 50 Original-Compositicnen.) 
Liezen-Mayer, der ausgezeichnete Meister der neudeutschen realisti- 
schen Schule, der sich schon durch seine Illustrationen zu Scheffel's 
| „Ekkehard“ viele Freunde erworben;-bietet uns das grosse Dichterwerk 
8 „Faust“ in ganz neuer künstlerischer Auffassung dar. Während in den 
| bisherigen „Faust-Bildern‘“ die Romantik vorherrschte, bemühte sich Liezen- 
‘Mayer, .die Tr e@Tis’tisehe Auffassung: G 6 eth e’s auch im Bilde zur 
Geltung zu bringen, mit innigster Vertiefung in den Sinn und Geist des 
Dichters ‚nur aus diesem heraus seine Gestalten zu entwerfen, sie mit 
geschichtlicher Treue ganz in der Auffassung ihres Schöpfers zur Anschau- 
ung zu bringen und nicht freie Gebilde der eigenen Fantasie zu substituiren. 
Es gelang ihm, einen Theil des reichen Genre- -Lebens, das im, »Faust« lebt 
und webt, von seinem Standpunkte aus künstlerisch zu verwer then, uns 
mitten in eine gegebene Zeit hineinzuführen und sie in Costume, Arehitektur 
und Landschaft nicht weniger Jebendig zu charakterisiren als in den Per- 
sonen, unter welchen namentlich Liezen-Mayer’s »Gretchengestalten« 
von der Kritik als Meisterwerke gerühmt werden. 
So entstanden die auf der grossen. Münchener Ausstellung 
(1876) so vielbewunderten und durch Medaillen. au sgezeichneten 
Bilder, die Originale zu dem bei Stroefer und Kirchner in München 
und New-York erschienenen Prachtwerke: Göthe’s Faust. 
18. Göthe in seinem Studierzimmer. 
: Ihr naht. euch wieder, schwankende Gestalten, 
Die ihr euch früh dem trüben Blick gezeigt. 
SS (Anfangs-Vignette zur: Zueignung.) 
19. Director, Theaterdichter und lustige Person. (Vorspiel auf dem Theater.) 
| r Dichter (zum Director): 
N Geh hin und such’ dir einen. andern Knecht, 
Der Dichter sollte wohl das höchste Recht; 
Das Menschenrecht, das ihm Natur vergönnt, 
Um deinetwillen freventlich verscherzen? 
Wodurch bewegt er alle Herzen? 
 Wodurch besiegt er jedes Element? 
| s ‚Ist es der Einklang nicht, der aus dem Busen dringt, 
| Und in sein Herz die Welt zurücke schlingt? 
| 20. Erzengel, die Ankunft des Herrn verkündigend. 
| Da flammt ein blitzendes Verheeren 
% ; Dem Pfade vor des Donnerschlags, — — 
V ; EC Doch deine Boten, Herr, verehren 
N 7 S Das sanfte Wandeln deines Tags. (Prolog im. Himmel.) 
21. Faust i in seinem Zimmer. (1. Scene.) 
»Habe nun, ach! ‚Philosophie, 
| Juristerei und Mediein, 
— Und, leider! auch Theologie 
  
 
	        
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