Full text: Wilhelm Busch: Katalog der XXX. Ausstellung des Künstlerbundes Hagen Wien ; Oktober - November 1909

7 
menschliche Form in einem so beispiellosen Grade zu 
beherrschen, daß er Gestalten in der kühnsten, tollsten, 
phantastischsten Bewegung mit so virtuoser Leichtigkeit 
und doch zugleich auch in der grotesken Verzerrung 
mit dem Anschein der inneren Wahrscheinlichkeit hin- 
schreiben konnte. Der Karikaturist, der in seinen lustigen 
Griffelspielen die Menschen zu Korkziehern zusammen^ 
dreht, zu Kuchen plattwalzt, zu Zwirnsfäden auseinander^ 
zieht und in Wellenlinien vibrieren läßt, hat vorher die 
Anatomie und das Knochengerüst des Menschen in allen 
erdenklichen Stellungen mit einer fast wissenschaftlichen 
Gründlichkeit studiert. Diese Sorgfalt galt übrigens sicher 
nicht bloß der künstlerischen Studienarbeit, sondern sie 
hing auch mit dem nachdenklichen, grüblerischen 
Wesen Busch’ zusammen, der die Dinge auch mit dem 
Griffel zu „ergründen“ strebte und noch hinter den 
Dingen allerlei Merkwürdiges sah. Von ihm rühren ja 
die bezeichnenden Worte her: 
fed’ Ding, und wär’s ein irdener Topf, besitzt eine 
Art von schlauer Verborgenheit, die nur durch Fleiß, 
List, Talent überwunden wird. Ich denke an A. Brouwer 
und Teniers. 
Es ist schwer, der Natur hinter die Schliche zu 
kommen . . . 
Das lehrt uns manches an Wilhelm Busch erst richtig 
verstehen. Auch das, daß der Mann, der mit drei Strichen 
gerade so viel zu sagen wußte wie ein anderer in einer 
umständlichen Arbeit, Landschaften gezeichnet hat mit 
einer altmeisterlichen Innigkeit und ins einzelne gehen- 
vk;':
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.