Full text: März - April 1907 [Paul Gauguin u.a.]

  
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in früher Kindheit hatten die Instinkte, die Gauguin von seinen Eltern 
ererbt hatte, durch einen mehrjährigen Aufenthalt seiner Mutter in 
Lima Nahrung gefunden. Dort lernte der Knabe die tropische Welt, 
die phantastischen Überlieferungen und Märchen des alten Goldlandes 
Peru kennen, erhielt Eindrücke, die durch die altperuanischen Geräte 
und Silberfiguren stets wach gehalten wurden, die seine Mutter sorgsam 
bewahrte. Dieser ursprüngliche, halbbarbarische Zug im Wesen Gauguins 
ist in seinem Charakter immer wieder hervorgetreten und macht einen 
Teil seiner Stärke aus. Dieser Zug zum Phantastischen trieb den 
jungen Mann auf die See hinaus. Auf einem Schiffe der französischen 
Handelsmarine gelangte er abenteuernd wieder nach Südamerika, nach 
Rio de Janeiro. Doch die Vernunft siegte und er trat 1871 bei Bertin 
ein, wo seine glänzenden Erfolge ihn bald mit Gold überschütteten. 
So war er auf dem besten Wege, in die Kaste der reichen Bourgeois 
einzutreten, die sein Vater als Mitarbeiter des „National“ bekämpft 
hatte. Er begann sogar, Bilder zu kaufen und besaß bald eine stattliche 
Galerie, in der Manet, Renoir, Claude, Monet, Cezanne, Pissarro, 
Guillaumin und Daumier vertreten waren. Diese Namen müssen be- 
denklich stimmen: ein Finanzmann, der zugleich Amateur war, kaufte 
damals höchstens Corot und die Schule von Barbizon, Meissonier 
nicht zu vergessen. Mit der Zeit begann Gauguin, an der Malerei 
solchen Gefallen zu finden, daß er selber Pinsel und Palette zur Hand 
nahm. Zuerst schüchterne Versuche: grau, unbedeutend und tonig ge- 
malt. Dann näherte er sich den Impressionisten und malte in reinen 
Farben Landschaften aus der Umgebung von Paris, tüchtige Bilder, 
die auf den verschiedenen Ausstellungen der Impressionisten, in der 
rue des Pyramides, und bei Nadar, gleich den anderen ausgestellten 
Werken von dem Gros der Kunstkritik bespöttelt und nur von wenigen 
fortschrittlich gesinnten Kritikern, wie Feneon, Huysmans und Duret 
gewürdigt wurden. Er geriet immer tiefer in die Malerei, und je mehr 
 
	        
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