Full text: 120 der hervorragendsten Gemälde alter Meister [Altdorfer - Murillo] (Band 1, 1892)

BERNARDO BELOTTI, 
CANALETTO. 
GENANNT 
Geboren: Venedig, um 1720; gestorben: Warschau, 17. October 1780. 
WIEN VOM BELVEDERE AUS GESEHEN. 
NTONIO C AN ALE, der in Italien hochgefeierte Architekturenmaler, übertrug seine 
Kunst auf seinen Neffen und Schüler, Bernardo Belotti, und auch ein mechanisches 
Mittel zur leichteren Erlangung einer richtigen Perspective, die Camera obscura, 
scheint Letzterer von seinem Onkel übernommen zu haben; darauf deutet die photographische 
Genauigkeit seiner Zeichnung und die Tiefe und Bestimmtheit der Schatten in seinen Bildern hin. 
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Ja diese Wirkung geht bei den Bildern des Belotti noch weiter und man wird an das gesperrte 
und zugespitzte Licht erinnert, wie man es in einem Schwarzspiegel sieht. 
Belotti scheint auch die Reiselust von seinem Onkel geerbt zu haben; denn wie dieser sich 
nicht damit begnügte, in Venedig seine gesuchten und bewunderten Ansichten zu malen, und nach 
England wanderte, so versuchte es Bernardino nach einer Durchwanderung des Nordens Italiens 
in Deutschland und ging nach München, Dresden und Wien. Er fand überall freundliche Aufnahme, 
reichliche Beschäftigung und Anerkennung. In Wien, wohin er im Jahre 1745 berufen wurde, malte 
er die 13 Bilder für den kaiserlichen Hof, welche im neuen kunsthistorischen Museum sämmtlich 
zur Aufstellung kommen. Später ging er noch einmal nach Dresden und endlich nach Warschau, 
wo er bis zu seinem Tode (1780) verblieb. 
Das Bild, welches hier in einer Reproduction gebracht wird, zeigt Wien, wie es vor anderthalb 
Jahrhunderten von dem damals erst zwei Decennien bestandenen Belvedere aus betrachtet, ausgesehen 
hat und ist aus einem Fenster dieses Gebäudes aufgenommen. Zwischen dem Garten des Belvedere 
und des fürstlich Schwarzenberg’schen Schlosses einerseits und der inneren Stadt andererseits liegt 
noch der weite freie Raum der ehemaligen »Glacien«, der später mit Alleen und in neuer Zeit 
mit Gebäuden verbaut worden ist. Da wo sich längs des Schwarzenberg’schen Gartens jetzt die 
Heugasse hinzieht, stehen nur einige wenige Häuser und eine grünende Anpflanzung, hinter welcher 
sich die Kuppel der Karlskirche erhebt. Die beiden Paläste mit ihren Gärten sind nur in wenigen 
Theilen anders als heute. Längs der langen Mauern, welche den Belvederegarten begrenzen, zog 
sich damals eine Reihe von steinernen Hermen hin, die jetzt nicht mehr existiren, und unten 
zwischen dem unteren Belvedere und dem Schwarzenbergpalais lag die Prinz Eugene’sche Oran 
gerie. Die bedeutendste Veränderung gegen damals, dass der ehemalige Thiergarten in einen 
Kinderspielplatz verwandelt wurde, kann hier nicht zur Wahrnehmung kommen. 
Das Bild ist auf Leinwand gemalt, 136 Cm. hoch, 214 Cm. breit.
	        
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