Full text: 120 der hervorragendsten Gemälde alter Meister [Altdorfer - Murillo] (Band 1, 1892)

LUCA GIORDANO. 
Geboren: Neapel, 1632; gestorben: daselbst, 12. Jänner 1705. 
DER ENGELSTURZ. 
nter den sogenannten Schnellkünstlern Italiens war Giordano der fruchtbarste; er 
i erhielt gleich im Anfänge seiner künstlerischen Laufbahn den Spottnamen: »Luca 
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1 fa presto«, weil sein Vater, dem er immer zu wenig verdiente, zur Eile mahnte. Er 
malte erst bei Ribera, den er bald so täuschend nachzuahmen verstand, dass seine Bilder mit 
seines Meisters nicht selten verwechselt wurden. Dann wurde er Gehilfe bei Pietro da Cortana 
jenen 
in Rom, den er ebenso gut copirte. 
Lucas’ Talent war gross, aber die meisten seiner Werke sind flüchtig und von decorativer 
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Art. Wenn es ihm aber einmal ernst war, etwas Studirtes zu schaffen, dann brach seine grosse 
Beo-abuno- siegreich durch und er schuf gediegene Bilder voll Wissen und Können. 
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Das hervorragendste dieser ist unser Engelsturz, in welchem er Composition, Zeichnun 
Farbe und Durchbildung der Form vortrefflich bewältigte, und zwar so, dass das Bild lange für ein 
sehr gutes Werk des Amerighi galt, dessen Manier Luca ebenfalls gut wiederzugeben im Stande war. 
Es zeigt eine grosse dramatische Gewalt. Der Erzengel stürmt auf mächtigen Schwingen vom Himmel 
herab, mit Schild und Helm bewehrt und das Flammenschwert schwingend (welches seine Zeit im 
Gegensätze zu der älteren Darstellung dem Erzengel in dieser seiner Function statt des Kreuzes 
in die Hand gab). Er blickt auf die in wilder Verzweiflung hinunterstürzenden gefallenen Engel, 
deren Oberster, von dem Fusse Michaels berührt, die Fledermausflügel weit ausbreitend, mitsammt 
seinem Throne rückwärtsstürzend, die Arme zur ohnmächtigen Gegenwehr emporstreckt. 
In diesem glänzend gefärbten und sorgfältig ausgeführten Bilde ist der Einfluss der zwei 
Schulen, Neapel und Bologna, besonders stark wahrzunehmen. Es befand sich vor hundert Jahren 
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in der Minoritenkirche in Wien, wohin es vor alter Zeit von der Familie Patalotti gestiftet worden 
sein soll, und galt als ein Werk des Amerighi. Ein Irrthum, welcher berichtigt wurde, als bei dem 
Abnehmen des Bildes vom Altäre die Signatur unten rechts sichtbar wurde: 
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1666 
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Es ist auf Leinwand gemalt, 414 Cm. hoch, 382 Cm. breit. 
Es ist gestochen von J. Eisner, i6 # 6 Cm. hoch, 11-4 Cm. breit (Sigm. v. Perger’s Galerie- 
Radirungen, mit dem Stichel vollendet: Leop. Beyer, 9 Cm. hoch, 6 Cm. breit. — 
Radirung in Umrissen: Re veil, 
werk). 
Volkert, 15*6 Cm. hoch, 14*4 Cm. breit (Kunstschätze Wiens). 
12 4 Cm. hoch, 3-8 Cm. breit (Duchesne Paine, Musee de peint. et sculpture).
	        
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