Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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Familie Reiner haben sich bis in sein hohes Alter erhalten; der 
Verfasser selbst hatte Gelegenheit mit Persönlichkeiten der genannten 
Familien in Verkehr zu treten, die den Meister als Künstler und 
Menschen gar hochgeschätzt und in Ehren gehalten haben. 
Am i. Juli 1837 erfolgte die Ernennung Steinfeld’s zum Cor- 
rector an der Landschaftsschule der k. k. Akademie in Wien, 1845 
erlangte er die Würde eines ordentlichen akademischen Käthes, um 
sodann im nämlichen Jahre an Stelle des verstorbenen Joseph 
Mössmer ordentlicher Professor der Landschafts-Zeichenschule zu 
werden. 
letzten Jahren des Künstlers an den Kanzleidirector Herrn Seemann 
verheirathete und mit diesem in Pisek zu domiciliren hatte, woselbst 
auch Steinfeld, nachdem er in den Ruhestand getreten war, seine 
letzten Tage verlebte. 
Franz Steinfeld nahm in der Wiener Gesellschaft jederzeit 
eine hervorragende Stellung ein, sein echt männliches tactvolles 
Wesen, nicht ohne eine leichte Satyre, aber dabei voll Gemüth 
und Herzensgüte, bewährte sich auch in der loyalen Haltung im 
Revolutionsjahre 1848, woselbst er dem akademischen Corps an 
gehörte, das sodann in die Legion aufgelöst wurde. Im Jahre 1848 
wurde ihm auch die grosse goldene Civilehrenmedaille verliehen. 
Blicken wir nun auf die Stellung Steinfeld’s, sowohl als 
Künstler wie als Mensch, 
ebenso aber auch als Patriot, 
so muss betont werden, dass 
er sich in jeder Beziehung 
um sein Vaterland verdient 
gemacht hat. Nicht nur 
leitete ihn ein echtes künst 
lerisches Streben durch sein 
ganzes Leben, sondern trotz 
seiner echt wienerischen 
Gemüthsheiterkeit 
webte sein ganzes Trachten 
und Streben ein tiefer Ernst, 
der auch allezeit in seinen 
Kunstwerken zum Ausdruck 
gelangt ist. Er betrat, wie 
schon oben gesagt wurde, 
einen ganz neuen Weg in 
seiner Kunst, und entwickelte 
so in Wien als einer der 
Ersten die später sich so 
glänzend entwickelnde Stim 
mungslandschaft. Erbrachte 
in seinen Landschaftsbildern 
eine gesunde natürliche Auf 
fassung zur Geltung, die er 
mit einem hochpoetischen 
Gefühle vereinigte, wodurch 
er dem einfachsten Motive geistigen Gehalt zu verleihen verstand. 
Schönheit der Technik, Bravour in der Darstellungsart waren nicht 
seine Sache, ebenso wenig eine zärtliche Detailarbeit; ihm galt 
vor Allem der Gedanke, und diesen brachte er jederzeit klar und 
bewusst zur Geltung. Zu den bedeutendsten Werken Steinfeld’s 
zählen wir folgende Landschaften: »Herbstmorgen«, ein Bild von 
feinster Tonwirkung, »Die verlassene Mühle« (in der kaiserlichen 
Gemälde-Galerie), eine düstere Sumpflandschaft mit vorwiegend 
poetischer Intention, »Der Tagesanbruch«, ein Bild von trefflicher 
Stimmung u. s. w. Mit geringerem Ausdrucke, mehr dem Wesen 
der Vedutenmalerei entsprechend, bewegte sich der Künstler auf 
dem Gebiete der Gebirgslandschaft, obwohl auch diese Bilder ein 
kräftiges, einheitliches, sowie stets stimmungsvolles Colorit zeigen. 
Eines der letzten Werke Steinfeld’s ist das Bild »Wh’ldbad-Gastein 
Anlässlich der im Jahre 1850 ins Leben getretenen Neugestal 
tung der Akademie übernahm er die Leitung einer Landschafts 
malerschule, und führte die 
selbe bis zu seiner am 
26. August 185g auf sein 
Ansuchen erfolgten Pensio- 
nirung.*) 
Die Verheirathung des 
Künstlers erfolgte schon im 
Jahre 1815. Seine Frau 
Dorothea Fe rt bau er war 
die Tochter eines Wiener 
Uhrmachers, und es waren, 
wie uns der greise Meister 
erzählte, leider nur dreizehn 
glückliche Jahre, die er an 
ihrer Seite durchlebte, denn 
schon am 13. December 1827 
verlor er seine geliebte 
Gattin durch den Typhus, 
ein Ereigniss, das den 
Künstler schwer traf, und 
von dessen Eindruck er sich 
nie wieder zu befreien ver 
mochte, Die Frucht dieser 
Ehe waren zwei Kinder, ein 
Sohn Namens Wilhelm, 
durch- 
der gleichfalls Landschafts 
maler wurde,**) und eine 
Tochter, welche sich in den 
FRANZ STEINFELD, Ansicht vom Hallstätter See. 
*) Eigentlich hatte er aber dem Professor Albert Zimmermann zu weichen, 
dessen Stellung im verloren gegangenen Mailand frei wurde, und für den eine 
neue Position in Wien wünschenswerth erschien. 
Ueber diese fruchtbringende Phase im Wiener Kunstleben werden wir noch 
an anderer Stelle zu sprechen Gelegenheit haben. 
**) Wilhelm Steinfeld, geboren zu Wien im Jahre 1816, gestorben zu Ischl 
im Jahre 1854, widmete sich ebenfalls, und zwar ganz in der Weise seines Vaters, 
dem Landschaftsfache. Er ging seinem Vater um vierzehn Jahre im Tode voran. 
Die Akademie besuchte er vom 10. November 182g an bis zum Wintercurs 1834. 
Wilhelm Steinfeld war ebenfalls ein begabter Künstler, und man sah von 
ihm in den öffentlichen Ausstellungen in den Jahren 1835—1S55 eine reichliche 
Vornehmlich war es die damals sehr beliebte Gebirgsland- 
vor- 
Anzahl von Bildern. 
schaft, die er pflegte, und er holte hiezu seine Motive aus Steiermark, 
nehmlich in Aussee und Hallstatt, Oberösterreich, im salzburgischen sowie auch 
im bayerischen Hochgebirge, ln der kaiserlichen Galerie befindet sich ein mit 1846 
datirtes Gebirgsbild, das felsige Ufer eines Gebirgssees darstellend, Leinwand, 
68 Cm. hoch und 55 Cm. breit. Er starb, 38 Jahre alt, verehelicht, doch kinderlos, 
und innigst betrauert von seinem Vater und seinen Angehörigen. Es war dies 
der zweite harte Schlag, der unseren Altmeister getroffen hat, und der ihn tief 
beugte.
	        
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