Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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ab und zu in diese schlicht gebrachten Ansichten schöner Natur- und 
baulicher Objecte ein Stück Poesie hineinfloss, das aber eigentlich nie 
wie bei anderen Landschaftern in seiner Absicht gelegen sein mochte. 
Thomas En der hatte, wie die meisten Künstler, eine harte 
Jugend durchzumachen und sich daher — was man sagt — durch 
zukämpfen. So wird erzählt, dass er neben allerlei Brotarbeiten in 
seiner Kunst, auch seinen theilweisen Unterhalt und sein Schulgeld 
mit der Geige verdienen musste, und zwar in Pa mm er’s Orchester 
im Kaffeehause »Zum Rebhuhn« in der Goldschmidgasse. Wir er 
innern an Amerling und noch manche andere Maler des musika 
lischen Wiens, die einen Theil ihres Brotes mit der Musik verdienen 
mussten, ehe sie als bildende Künstler zu Bedeutung und Aner 
kennung gelangten. End er’s Fleiss und Ausdauer überwanden alle 
Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen mochten. Was ein 
wirkliches Talent, ein Genius ist, kommt unter allen Verhältnissen 
empor, ja oft sind es gerade die Schwierigkeiten des Ringens, welche 
den Charakter stählen und zu Energie und Kraft führen. So war 
es auch bei Enden Das Vaterhaus konnte ihm nicht viel bieten, 
das Trödlergeschäft leistete 
nur ein dürftiges Einkom 
men, aber die beiden 
Brüder Johann* **) ) und 
Thomas En der mochten 
gerade auch da Manches an 
Kunstsachen zu Gesichte be 
kommen haben, wodurch sie 
Anregung gefunden hatten. 
Johannund Thomas, 
die, wie bereits bemerkt 
wurde, Zwillingsbrüder wa 
ren, konnte man mit Recht 
als Dioskuren bezeichnen; 
obwohl jeder einem anderen 
Fache angehörte, strebten 
die Beiden mit gleicher Unermüdlichkeit zu erreichen, was zu 
erreichen war, ihr Fleiss war in Künstlerkreisen ein sprichwörtlicher 
geworden und ebenso ihr Trachten nach Erwerb, wodurch es auch 
beide Künstler für jene Zeit zu ansehnlichem Besitze brachten. 
Ein Hauptereigniss in seinem Leben und künstlerischem Werden 
war für Thomas Ender die Reise nach Brasilien, welche er auf Em 
pfehlung des damals allgewaltigen Fürsten Metternich anlässlich 
der Vermählung der Tochter des Kaisers Franz, Erzherzogin 
Leopoldine, mit .dem Kronprinzen von Portugal, nachmaligem 
Kaiser Don Pedro von Brasilien, am 28. März 1817 unternahm.-*) 
Ein vorzügliches Product dieser Reise kann man in der Ge 
mälde-Galerie der Akademie der bildenden Künste hier sehen, eine 
Ansicht von Rio de Janeiro mit all dem Linien- und Pflanzenreich 
thum der dortigen Landschaft. (Nr. 171 des Kataloges des Galerie; 
Leinwand hoch 126*5 Cm., breit 189 Cm.) 
Das Klima in der tropischen Natur sagte dem Künstler aber 
so wenig zu, dass er sich um die Erlaubniss anzusuchen veranlasst 
sah, früher seine Rückreise antreten zu dürfen, als diese voraus 
gesehen war. Trotz dieser Abkürzung brachte er, wie uns Herr 
von Wurzbach erzählt, über 700 Zeichnungen von Gegenständen, 
Figuren, Gebäuden, alle in Wasserfarben ausgeführt, mit, die er 
dem kaiserlichen Hofe übergab und die im »brasilianischen Cabi- 
nete« aufbewahrt werden. Glücklich zurückgekehrt von dieser Reise, 
begleitete Thomas Ender den Fürsten Metternich im Jahre 1819 
nach Italien, wo er als kaiserlicher Pensionär vier Jahre verblieb,*) 
und namentlich seiner Ausbildung in der Oelmalerei oblag. Im 
folgenden Jahre machte er im Aufträge desselben Fürsten viele Auf 
nahmen aus dem Salzkammergute. In das Jahr 1812 fallen seine 
sechs Radirungen aus jenem so reichhaltig landschaftlichen Gebiete, 
wozu sich noch zwölf Ansichten aus Wiens Umgebung gesellten, 
welche jedoch nicht alle publicirt wurden. Im Jahre 1826 reiste 
unser Künstler nach Paris, von wo er thatsächlich in seiner Kunst 
weise als der Nämliche zurückkehrte, als der er hingegangen war. 
Ein Aehnliches liess sich bei Waldmüller wahrnehmen, dessen 
starke Individualität auch nichts Fremdes in sich aufkommen liess. 
1829 malte Ender im 
Aufträge Sr. kaiserlichen 
des Erzherzogs 
Johann mehrere Ansichten 
von Persenbeug und in dem 
selben Jahre begleitete er 
den Erzherzog nach Gastein, 
in dessen Aufträge er aber- 
mals eine Anzahl von Auf 
nahmen dieser herrlichen 
Gebirgsgegend machte. Sein 
Album »Oesterreich in Aqua 
rellbildern« umfasst 800 Bil 
der, welche im Besitze des 
Enkels des Erzherzogs 
Johann, Grafen Franz 
von Meran, sind. Ansehnliche Besitze an Aquarellen des Meisters 
finden sich in der reichhaltigen Sammlung weiland Sr. k. u. k. Hoheit 
des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Carl Ludwig, sodann bei 
Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten Johann von und zu 
Liechtenstein, in der Bibliothek der k. k. Akademie der bildenden 
Künste, und endlich vor Allem im Besitze Sr. k. u. k. apostolischen 
Majestät des Kaisers in Allerhöchstdessen verschiedenen Sammel 
punkten von Kunstobjecten. 
Aber auch im Privatbesitz finden wir fast überall Studien des 
Meisters, sowie seine Bilder und Aquarelle, und wollte man sein 
gesammtes Werk zusammenstellen, so wäre dies bei der Massen- 
haftigkeit des Materiales ein gewaltiges Stück Arbeit. 
Thomas Ender war aber auch ebenso thätig und gewissenhaft 
als Lehrer, was sich an seinen Schülern erwiesen hat, aus deren an 
sehnlicher Schaar die Meisten als sehr tüchtige Künstler hervor 
gegangen sind. Seine Lehrthätigkeit währte vom Jahre 1836 bis 
1849, in welcher Zeit er an der k. k. Akademie als Corrector und 
Hoheit 
THOMAS ENDER-Aquarelle. Schloss Gödöllö vom Garten aus gesehen. 
*) Nach Dr. Bodenstein’s biographischem Bericht über Thomas Ender 
im Vorworte des Sommer-Ausstellungskataloges von 1895 im Künstlerhause hätte 
sich der Künstler von 1819 bis 1822 in Italien aufgehalien. 
*) Siehe Johann Ender, pag. 20. 
**) Ein Analogon zu dieser Reise ist die Weltreise seines Schülers Josef 
Seileny mit der Novara.
	        
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