Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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Leopold der Glorreiche als Förderer der Künste und Wissenschaft. 
C. v. BLAAS. 
Porträtmalerei entrissen wurde. Es galt für den genannten Grafen 
die neue Kirche in Foth in Fresco auszumalen, wohin bereits drei 
Altarbilder von Blaas gelangt waren, welche er während des Revo 
lutionsjahres in Italien gemalt hatte. 
Nachdem das Programm für die bildliche Ausschmückung der 
Kirche festgestellt und die Compositionen nach Foth gesendet waren, 
ging Blaas mit wahrer Begeisterung an die seinem Künstlergenius 
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ganz und gar zusagende Arbeit, welche ihn zwei volle Jahre 
beschäftigte. Es waren im Ganzen sechs Oelgemälde und 28 Fresken, 
welche der Künstler für diese Kirche gemalt hat. Die weitere 
hervorragende Thätigkeit betrifft einen Theil der Ausmalung der 
Altlerchenfelder Kirche. Blaas wurde mit Professor Carl Mayer 
das Mittelschiff zugetheilt. Von Blaas entworfen und ausgeführt, 
sind die Bilder an der linken Wand des Mittelschiffes und in der 
Hälfte des Kreuzgewölbes gegen den Chor zu, und zwar stellen 
die Gewölbbilder sechs Allegorien: »Die Unschuld«, »Geduld«, 
»Weisheit«, »Stärke«, »Keuschheit« und »Gerechtigkeit« dar, während 
die Wandfläche Bilder aus dem Leben Christi, nebst Symbolen, 
Parabeln und Propheten zeigt. Zwischen den vier Hauptbildern: 
»Mariä Verkündigung«, »Geburt Christi«, »Taufe Christi« und »Die 
Bergpredigt« sind vier Christusgestalten angebracht und zwar: 
»Christus als Gärtner«, »Christus als Samaritaner«, »Christus, wie 
er zu Petrus spricht: Weide meine Lämmer« und endlich »Christus 
als Ernter mit Garbe und Sichel«. Im Ganzen malte der Meister 
in dieser Kirche 24 Fresken. 
Auch bei dem Missale, welches das Professoren-Collegium der 
k. k. Akademie der bildenden Künste als Zeichen der Verehrung für 
Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth anfertigte, war Blaas bethätigt. 
Er malte für dasselbe das Fest der heiligen drei Könige. Ebenso war 
der Künstler an dem grossen Missale betheiligt, das Seine Majestät 
der Kaiser Franz Josef I. für den heiligen Vater als Geschenk durch 
die Professoren der Akademie ausführen Hess, welches Prachtwerk 
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vier Jahre zu seiner Vollendung in Anspruch nahm. Blaas malte 
hiefür die Miniaturen, die Festtage: »Maria Geburt«, »Das Weihnachts 
fest«, »Plingsten und die Sendung des heiligen Geistes«. Jedem der 
Mitarbeiter an diesem in der modernen Zeit einzig dastehenden 
köstlichen Werke spendete der Papst den Orden des heiligen 
Gregorius. Im Jahre 1855 reiste Professor Blaas nach Paris, wohin 
Blaas trat seine Professur in Wien jedoch erst im August an, 
nachdem er am 1. Jänner 1852 mit Allerhöchster Entschliessung 
zum Professor ernannt worden war und wie aus den Acten der 
k. k. Akademie der bildenden Künste hervorgeht, bereits Ende 
December 1851 Herrichtungen in seiner zu übernehmenden Schule 
beantragt hatte. Carl Rahl hatte inzwischen das Lehramt für Blaas 
übernommen und stand demselben energisch vor, wurde aber sodann 
nach Ablauf des Provisoriums, ohne eine weitere Verwendung zu 
finden, entlassen.*) 
Es begann nun für Blaas in Wien eine doppelte Thätigkeit, 
indem er einerseits seinem Lehramte mit aller Gewissenhaftigkeit 
und Liebe Vorstand, andererseits aber als Künstler ein ebenso reich 
haltiges Schaffen entwickelte. Er selbst charakterisirt dasselbe, indem 
er erzählt: »und ich kam in eine Thätigkeit hinein, welche die Höhe 
meines Lebens und meiner Kunst bezeichnet. 
Colloredo, geborenen Gräfin Potocka, welche den Künstler von Rom 
aus kannte, fand er eine freundliche Gönnerin. Er malte deren 
Porträt und dessen Gelingen verschaffte ihm durch Jahre eine über 
wiegende Thätigkeit im Bildnissmalen. Inzwischen entstanden aber 
auch Genrebilder, Madonnen und Altarbilder. Ein Auftrag des Grafen 
Stephan Karoly kam dem Künstler besonders erwünscht, da er 
durch denselben der ihn bereits etwas ermüdenden Thätigkeit der 
An der Gräfin 
*) Die Entlassung Rah Ts, sowie auch die des gleichzeitig provisorisch 
angestellten Bildhauers HansGasser erfolgte, wieBlaas in seiner Autobiographie 
erzählt, ohne jedwede Motivirung, wobei er lakonisch bemerkt, »weil sie vielleicht 
zu liberal gewesen sein mochten«. Ich war damals Schüler an der Elementar 
schule der Akademie und hatte Gelegenheit, das verschiedenartige Verhältniss 
zu beobachten, in welchem sich die Lehrer zu den Schülern verhielten. Rahl 
und Gasser, damals zwei prächtige, lebensfrische Männer von strotzender 
Gesundheit und Schaffensfreudigkeit, verkehrten mit den jungen Eleven der 
Kunstschule nicht nur in leutseliger, sondern in einer wahrhaft belebenden 
Weise, wodurch ihnen auch selbstverständlich die Herzen der Kunstjünger 
zugewendet wurden. Zur schönen Jahreszeit wurden Ausflüge in den Wiener 
wald veranstaltet, an welchen die genannten Professoren theilnahmen, und ich 
erinnere mich mit Vergnügen an die geistvollen Gespräche Rahl’s und an 
die eminenten Turnerproben, welche Hans Gasser bei solchen Gelegenheiten 
zum Besten gab, kurz, das durchaus tolerante Wesen dieser beiden Lehrer 
fascinirte förmlich die jungen Leute. In wieder anderer sympathischer Art ver 
hielt sich zu seinen Schülern der damals ebenfalls provisorisch berufene Land 
schaftsmaler Josef Hoeger. Allwöchentlich beschied er uns zu sich ins Atelier 
in demselben Hause an der Wien, wo sein Schwager Gauermann wohnte, und 
wo wir unter seinem ebenso liebenswürdigen als belehrenden Commentar die 
Radirungen der alten Meister besichtigten und studirten, deren er eine reich 
haltige Sammlung besass.
	        
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