Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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gepflegt und den Intentionen des Meisters entsprechend mit Erfolg 
ausgebildet worden ist.*) Von Fendi’s Historienbildern, die vor 
wiegend seiner früheren Schaffensperiode angehören und auch 
theilweise noch unter dem Einflüsse der akademischen Richtung 
abgebrannten Hause erschöpft auf dem Boden liegende Frau nebst 
ihren Kindern, ist bezeichnet und datirt vom Jahre 1841 und »Die 
Arretirung von Excedenten durch eine Militärpatrouille« soll Fendi 
gemeinschaftlich mit Carl Schindler gemalt haben. Dieses Bild 
wird als die letzte Arbeit des Meisters bezeichnet.-) Vor einigen 
Jahren sah ich auch ein Bild im Privatbesitze, das eigentlich mehr 
♦ 
eine Skizze zu nennen war, da es als Grundlage für ein in 
grösseren Dimensionen auszuführendes Werk dienen sollte, welches 
der Künstler zur Erinnerung an die Wiedergenesung des Kaisers 
Franz ausführen wollte. Es stellt den äusseren Burgplatz dar, auf 
welchem die Truppen zu einem Feld-Gottesdienste Aufstellung 
genommen haben. Vorne in der heute in Folge des neuen Burg 
baues nicht mehr bestehenden Allee sieht man den Künstler mit 
stehen, sind bekannt: »Erzherzog Ferdinand mit Philippine Welser«; 
»Eginhard und Emma«, das letztere Bild gemalt für den Grafen 
Carl V. als Mönch einem Waffenzuge nachsehend«; »der 
Salm; 
Ring der Treue« (ebenfalls bei Graf Salm); sodann die Aquarelle 
»Rudolph von Habsburg, wie er dem Priester sein Pferd anbietet« 
(gestochen von Johann Passini); das durchaus genrehaft auf 
gefasste »Lied von der Glocke« und »Ritter Toggenburg« (im Besitze 
Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Carl Ludwig); die 
Zeichnungen zu »Hormayr’s historischem Taschenbuch« und zum 
»Almanach Vesta«. Wie bereits oben angedeutet, liegt aber der 
Hauptwerth des Meisters in seinen Genrebildern. Wir nennen hie 
von »Das Mädchen vor dem Lotteriegewölbe« (bez. und dat. 1829);**) 
»Die Officierswitwe« (bez. und dat. 1836);***) »Die Pfändung« (bez. 
und dat. 1840), jetzt im Besitze des Herrn Moriz Mayer hier; 
»Morgenandacht im Klostergange« (bez. und dat. 1837), im Besitze 
Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Carl Ludwig, litho- 
graphirt von F. Heer; ferner »Das Begräbniss auf dem Friedhofe« 
(bez. und dat. 1841), welche zuletzt genannten vier Bilder ehemals 
in der Galerie Arth ab er zu Döbling waren. »Das herrliche Bild 
»Das Gewitter« (Galerie des Grafen Kolowrat) wurde von David 
Weiss als Kunstvereinsblatt gestochen; ferner sind zu nennen: 
»Die Horcherin«, »Das Mädchen an der Briefpost«, »Der Mönch 
Vögel fütternd«, »Das Milchmädchen« (nach Lafontaines Fabel), 
»Der Kapuziner am Klosterfenster«, »Bettlerfamilie« (beim Grafen 
Lanckoronski), »Eine Ueberschwemmungsscene aus dem Jahre 
1830«, »Der heilige Augustin und der Engel am Meere«, »Kaiser 
Franz I., dessen Enkel und die Schildwache« (ebenfalls im Besitze 
Sr. kaiserl. Hoheit des Herrn Erzherzogs Carl Ludwig), »Die 
Bettlerfamilie im Winter« (bei Baron deVaux), »Der Brautmorgen« 
und die »Mutter am Christabend« nach Hebbel, das letztere Bild 
in Schwarzkunstmanier gestochen von Thomas Benedetti, »Die 
Soldatenwitwe« (bei Frau v. Eltz), »Das Weihwasser« (in der Samm 
lung Feiner), »Ein Engel, der Vögel singen lehrt«, »Die aus dem 
Wasser gerettete Puppe«, »Knabe, die Geige stimmend«,!) »Die 
Gypsfigurenhändlerin« (bez. und dat. 1841),tt) im Besitze des Grafen 
Victor Wimpffen, »Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er 
bricht« (in zwei Versionen gemalt), »Hagar«, »Der Schutzengel« 
und »Der Segen der Mutter« (das letztere Bild vormals in der 
Sammlung des Vergolders Herrn C. Bühlmayr, jetzt durch Se. Durch 
laucht den regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein, welcher 
dieses reizvolle Gemälde erwarb, dem Museum der Stadt Wien 
gewidmet. Das ergreifende Bild »Die letzte Habe«, eine vor dem 
seiner Mutter als Staffage angebracht. Das Bild, auf Holz ge 
malt, schien mir ungefähr einen Meter gross zu sein. Die leichte 
dünne Malweise Fendi’s eignete sich ebenso vortrefflich für das 
Aquarell, dessen er sich häufig bediente, so auch bei seinen bereits 
erwähnten Darstellungen zu Sch Hier’s Gedichten, wie auch bei 
einigen Genrebildern. Insbesondere wendete er die Aquarelltechnik 
gerne für Porträte an. Eines seiner hervorragendsten Werke auf dem 
Gebiete der Porträtmalerei ist das im Aufträge Ihrer Majestät der 
Kaiserin Carolina Augusta äusserst gelungen vollendete Gruppen 
bild: 
»Die kaiserliche Familie im Jahre 1834« 2 7 Porträten in 
ganzer Figur. Dasselbe wurde durch den Vater des jetzt lebenden 
in Berlin und Venedig domicilirenden ausgezeichneten Aquarell 
malers Passini, Johann Passini, in Kupfer gestochen. An 
weiteren Aquarellen können namhaft gemacht werden: »Kaiser Franz 
Joseph mit seinem Bruder Max in Laxenburg« (in der Fideicommiss- 
bibliothek); ferner »Ueberschwemmungsscene« (in der akademischen 
Bibliothek), »Frau und Kind« (bei Herrn N. Dumba), »Studie zur 
Unentschlossenen« (beim Grafen V. Wimpffen), »Gang zur Hoch 
zeit« (bei Sr. kaiserl. Hoheit dem Herrn Erzherzog Carl Ludwig) 
und endlich »Der Weihnachtsbaum«, Aquarell en miniature, im 
Besitze des Herrn Baron Schwarz-Senborn, u. s. w. 
Abgesehen von den bereits oben erwähnten Arbeiten für die 
Publication antiker Gegenstände aus dem kaiserlichen Münz- und 
Anlikencabinet, entwickelte Fendi auch als Radirer und Litho 
graph eine sehr bemerkenswerthe Thätigkeit. An Originalradirungen 
sind bekannt: Der Künstler selbst und seine Mutter, auf dem Wege 
vom Heumarkt in die Stadt, Querfolio 1824; vom Jahre 1826 datirt 
»Kleines Mädchen mit Puppe«, Oueroctav; »des Künstlers Brust 
bild, im Hintergründe die Karlskirche«, datirt 1830, Queroctav; 
»Kleines Mädchen mit einem grossen Besen«, datirt 1831, Octav; 
»Mutter .und Kind, das mit einem Kaninchen spielt, bei -einem 
Baume sitzend«, Oueroctav; »Brustbild des Baron Hens«, Ovalfolio; 
(vorne ein Kind mit Enten), 
Queroctav; endlich »Schlafender Bauer am Biertisch« nach Adrian 
Brouwer, Octav. Von des Meisters Lithographien war in der Er 
öffnungsausstellung der k. k. Akademie der bildenden Künste eine 
Wirthshausscene nach David Teniers, Querfolio, zu sehen und 
ausserdem erwähnt Nagler die lithographische Nachbildung eines 
Partie aus Mödling bei Wien 
*) Der begabtere der beiden Schindler, Namens Carl Schindler, den 
der Verfasser als Knabe oft im bescheidenen Atelier im Hinterhause des Löwen- 
Gasthofes am Heumarkte sab, wo Fendi bis zu seinem Tode mit seiner alten 
Mutter und zwei Nichten wohnte, starb leider sehr früh an der Lungentuber- 
culose, am 22. August 1842. Diesen hat auch Fendi stets als den talentvoll 
sten seiner Schüler bezeichnet. 
**) Unter diesem Titel lithographirt von F. Heer, Kl.-Fol. 
) In Stahl gestochen von Thomas Benedetti, Qu.-Fol. 
f) Ebenfalls gestochen von Thomas Benedetti. 
ff) Hiervon existirt ebenfalls eine gute Lithographie. 
*) Beide Bilder finde ich in meinen Notizen vom Jahre 1877 im Besitze des 
seither verstorbenen Fürsten Friedrich Liechtenstein verzeichnet.
	        
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