Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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C. Lanckoronski;*) ferner findet man aus den Katalogen der akademi- 
schenAusstellungen dieBilder: »Ein Mädchen beim Stickrahmen« (1832); 
»Ein Schlossermeister nimmt einen Knaben als Lehrling auf« (1838); 
»Ein Schulknabe bei einem Brunnen stillt den Durst eines Kindes« 
(1838;; »Die Werbung« (1839); *Die Wiedererstattung des gefun 
denen Geldbeutels« und »Der Abschied«, beide aus dem Jahre 1841. 
Weiters sind in dem Besitze des Grafen Victor v. Wimpffen bekannt 
die Bilder: »Ein verwundeter Grenadier«; »Heimkehr des Officiers« 
(signirt und datirt 1840) und »Der Postillon«. Ausserdem malte 
Schindler auch mehrfach in Aquarell 
sowohl eigene Compositionen als auch nach 
Entwürfen und Bildern seines Lehrers 
I ? endi, wobei wir die beiden Aquarelle in 
der Handzeichnungssammlung im kunst 
historischen Hofmuseum (Nr. 444 und 
445) zu Schiller’s »Lied von der Glocke«, 
bez. A. Schindler, anzuführen haben. 
Aber nicht blos der Thätigkeit Sc hind- 
ler’s als Genremaler ist in ehrender Weise 
zu gedenken, sondern auch seiner Ar 
beiten als Radirer und Lithograph, wo 
von zu nennen sind: »Kinder, die Soldaten 
spielen«; »Die letzte Pilgerreise«; nach Fendi »Eine Mutter, das 
stehende Kind im Schoosse haltend« radirt 1829; ferner »Das auf 
dem Knaben reitende Mädchen«; »Auszeichnung und Entschluss«, 
beide Blätter 1854 für Auer’s »Faust« radirt; weiters die Galvano- 
graphie »Das Weib mit dem Kinde auf dem Schoosse« und die drei 
Almanachblätter »Das verunglückte Stelldichein«; »Der Dorfwächter« 
und »Das Leiermädchen«, Zeichnungen für den österreichischen 
Lloyd. Albert Schindler starb zu 
Wien am 3. Mai 1861. 
Hier im Anschlüsse möchte ich des 
wenig bekannten doch sehr begabten 
Genremalers Nicolaus Moreau ge 
denken, der mit seinem in der kaiser 
lichen Galerie befindlichen Bildchen eben 
falls das Soldatengenre pflegte. Es stellt 
einen österreichischen Veteranen dar, 
welcher seinen Wirthshausgenossen, zwei 
Soldaten und einem italienischen Gyps- 
figuren-Verkäufer, der eine Statuette Napo 
leons I. auf den Tisch gestellt hat, eitrigst 
erzählt. Das Bild ist rechts am Unterrande bezeichnet: »N. Moreau 
1830«. Wir wissen leider über diesen Maler blutwenig.**) Er wurde zu 
€ 
Wien geboren und starb schon in jungen Jahren daselbst, 1834. I n den 
Schülerlisten der Akademie kommt sein Name nicht vor; ob er ein 
Sohn des Architekten und Malers Karl Ritter v. Moreau gewesen, 
der in den Dreissigerjahren in Wien lebte und der Erbauer der 
hiesigen Nationalbank gewesen, auch eine Reihe historischer Bilder 
malte, welche auf den Ausstellungen erschienen sind, ist bis jetzt 
eine unbeantwortete Frage. Mit einem sehr versprechenden jungen 
verstummen und neuen Weisen und Kunstanschauungen Platz zu 
machen. 
Bei unserer Aufzählung der Bilder »der modernen Schule« in 
der kaiserlichen Galerie, welche in diese Gruppe gehören, ist unbe 
dingt an Fendi Albert Schindler anzureihen, der seinen 
Lehrer länger überlebte als Karl Schindler und Friedrich Treml, 
von welch’ beiden Malern leider bis jetzt kein Bild in die kaiser 
liche Sammlung gelangen konnte.*) Albert oder auch Alb recht 
Schindler genannt, wurde in Oesterreichisch-Schlesien am ig. August 
1806 (Wurzbach gibt hierfür das Jahr 
1805 an) geboren. Seine Eltern sollen 
arme Webersleute gewesen sein, doch 
führte ihn sein Talent zur Kunst einer 
besseren Lebensstellung zu. Fendi, der 
seine Begabung erkannte, soll ihn im 
Jahre 1827 nach Wien gebracht haben, 
wo er die k. k. Akademie besuchte und 
wo wir ihn auch in den Schülerlisten vom 
17. Juli 1827 bis Ende des Sommerseme 
sters 1832 eingetragen finden. Sodann 
aber begab er sich unter die unmittelbare 
Leitung seines Gönners und Lehrers, der 
ihn zu einem tüchtigen Künstler ausbildete, welcher auch ganz und 
gar, und zwar nach beiden Kunstrichtungen Fendi’s weiter wirkte. 
Stand er schon bei Lebzeiten seines Lehrers demselben als Zeichner 
im Münz- und Antikencabinete zur Seite, so kam noch hinzu, dass 
er nach dessen Ableben laut Decret ddo. 29. September 1842 zum 
Nachfolger desselben ernannt wurde, wobei dann allerdings der 
Genremaler mehr in den Hintergrund treten musste, während seine 
Pflichten als Zeichner fast all’ seine Zeit 
in Anspruch nahmen. Sein Bild in der 
kaiserlichen Galerie: »Ein verwundeter 
Officier, in einem Kapuzinerkloster liegend, 
erhält von einem Klosterbruder die letzte 
Oelung«, bez. Alb. Schindler, pinx 1834, 
zeugt von der sinnigen und gedanken 
vollen Weise seines Meisters, welche er 
sich zu eigen zu machen verstand.**) Von 
seinen weiteren Genrebildern sind be 
sonders namhaft zu machen: »Die letzte 
Pilgerreise«, datirt 1840, und »Das Al 
mosen«, beide Bilder im Besitze des Grafen 
ALBERT SCHINDLER. Lieblich in den Brautlocken . . . . 
ALBERT SCHINDLER. Mit züchtigen, verschämten Wangen .. 
*) Im Privatbesitze des Allerhöchsten Hofes befinden sich übrigens Oel- 
bilder und Aquarelle der Genannten, besonders aber von Friedrich Treml, 
der gewissermassen der Haupterbe F e n d i’s wurde und auch die Nichte seines 
Lehrers, Amalie Konopazek, geheiratet hatte. Treml ward am 8. Jänner 1816 
zu Wien geboren und starb schon am 13. Juni 1S52. Er war ein sehr fleissiger 
Künstler, der eine grosse Anzahl von Bildern und Aquarellen, zumeist Scenen 
dem Soldatenleben, malte, wovon auch eine Anzahl in Lithographien erschienen 
ist. Herr v. Wurzbach behandelt den Künstler in seinem Lexikon sehr ausführ 
lich und liebevoll. Weshalb aber derselbe bei der Besprechung des klaren Colorits 
Treml’s von dem traurigen Geschick der Danhauser’schen Gemälde spricht, 
welche durch Nachdunkelung sehr gelitten hätten, ist uns ein vollkommenes 
Räthsel, da, so viele der Bilder Danhauser’s wir auch kennen, sich auch nicht 
eines darunter gefunden hat, von dem sich sagen Hesse, 
dunkelt« wäre. 
aus 
dass es »nachge- 
*) Das erstere Bild war auf der historischen Ausstellung 1877 ausgestellt. 
) Der Verfasser ist nicht so glücklich gewesen, über Herkunft und 
Familie dieses Künstlers etwas zu erfragen. 
) Dasselbe wurde im Jahre 1834 auf der akademischen Kunstausstellung 
für die kaiserliche Galerie im Belvedere erworben.
	        
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