Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

56 
ferner das Bildniss der einem jeden Alt-Wiener noch wohl im 
Gedächtniss gebliebenen, ausgezeichneten Tragödin Julie Rettich, 
ferner die Porträte des Erzherzogs Johann, von Georg Jaquemar, 
Karl Garber (1851), Jarisch (1855), dem Grafen Bathyani (1846), 
J. Maniel (1853), dem Fürsten Franz Georg v. Lobkowitz u. s. w. 
Von den Lebensereignissen des Künstlers ist nicht viel in die Oeffent- 
lichkeit gedrungen. Eybl lebte einfach und zurückgezogen, man kann 
wohl mit Recht sagen, mit ganzer Seele für seine 
Kunst. Wir wissen, dass er am 1. April 1806 zu 
Wien geboren wurde, am 16. Juni 1818 als Schüler 
in die Akademie eintrat und daselbst bis inclusive 
I. Semester 1828/29 verblieb. In den Acten der 
Lehranstalt finden wir noch, dass er im Jahre 1825 
den II. Gundel’schen Preis erhalten hat, 1853 
wurde er zum II. Gustos der Belvedere-Galerie, 
1857 zum I. Gustos ernannt und im Jahre 1869 
durch die Allerh. Verleihung des Franz Josephs- 
Ordens ausgezeichnet. Zum wirklichen Mitgliede 
der k. k. Akademie der bildenden Künste erscheint 
Eybl am 18. April 1868 erwählt und vom 
Kaiser am 30. Mai d. J. bestätigt. In der letz 
teren Zeit seines Lebens hatte sich der Künstler 
Wenn wir hier nun den wackeren Maler Eduard Swoboda als 
einen echten, rechten Sohn Wiens anreihen, so thun wir dies, weil 
er gewissermassen die bisher besprochene Gruppe der Genremaler 
abschliesst. Denn Waldmüller, der allerdings zu den drei Haupt 
matadoren der Wiener Genremaler zählt, schlägt frühzeitig Wege 
ein, deren Consequenzen direct in unsere Zeit, also in die Kunst 
unserer Tage führen, daher wir seiner erst nach allen Anderen, 
gewissermassen als eine vollkommen selbststän 
dige Erscheinung auf dem viel betretenen Gebiete 
der Genremalerei zu gedenken haben werden. Doch 
zu unserem Swoboda zurück, der mit seinem 
Bilde in der Galerie »Va banque«, welches im 
Sinne der Danhauser’schen Richtung erfasst ist, 
seinerzeit eine sensationelle Aufnahme fand. Wir 
sehen auf demselben den richtigen Typus der da 
maligen Wiener Gesellschaft wiedergegeben und 
nicht nur dieses, sondern auch eine Anzahl bis 
in unsere Tage herein noch wohlbekannter Ge 
sichter aus Künstlerkreisen.*) 
Das Bild ist bezeichnet und datirt 1849. Wie 
uns der Künstler selbst mittheilte, war er mit 
Danhauser in intimer Beziehung gestanden, 
die beiden Künstler besuchten sich häufig und fehlte es dabei 
nicht an künstlerischen Auseinandersetzungen und Rathschlägen. 
i 
F. EYBL. Ein alter Bettler. 
aus der Oeffentlichkeit vollends zurückgezogen, er wirkte namentlich 
und soll sich in seinen Musse- 
verdienstlich als Galerie-Gustos, 
stunden viel mit Restauriren von Gemälden aus dem Privatbesitz 
Presse« (ddo. 12. November 1894) e i nen charakteristischen Artikel, mit welchem 
sie des Jubilars gedenkt und zugleich aus dem Schatze seiner Erinnerungen 
manches Hübsche und Anmuthige aus seinen Erlebnissen erzählt. 
*) Swoboda hatte unlängst die 
Güte uns nachfolgende Persönlich 
keiten aus seinem Freundes- und 
Bekanntenkreise, welche er auf die 
sem Bilde als Modelle benützte, nam 
haft zu machen. So bezeichnete er 
die junge Dame in weissem Kleide, 
welche »Va banque« gibt, als die 
Tochter des einstigen überpolizei- 
Commissärs Ungermann, später ver 
ehelichte Frau Dr. Maschke, wäh 
rend wir in der Frau, welche das 
junge Mädchen am Kleide erfasst, 
um sie zu mahnen, das Spiel aufzu 
geben, die Mutter derselben, Frau 
Ungermann, eine Schwester unseres 
Malers zu erblicken haben. In dem 
jungen Manne, der zu der Spielerin 
gewendet, mit der Rechten auf den 
Bankhalter zeigt, sehen wir den 
Kupferstecher Schönberg, hinter 
ihm den Bildhauer Caesar, sodann in dem Herrn, welcher den Kopf auf die 
Rechte stützt, den Cafetier Laun von Döbling. Der Lachende neben ihm ist 
ein Herr Grohmann, damals Concipient in einem grossen Wiener Handlungshause, 
und der sich zur Thür wendende Mann ist der noch vielen von uns bekannte 
Decorationsmaler Grünfeld. Als einen Herrn Weil bezeichnete uns der Künstler 
den jungen Mann im blauen Frack, welcher von seinem Platze aufgesprungen, 
die kühne Spielerin scharf anblickt; zornerregt ist der Herr in mittleren Jahren, 
welcher die Faust auf den Tisch presst, es ist der 
erst vor kürzerer Zeit verstorbene Kunst- und Goldsticker Agner. Links von diesem 
Herrn, die Linke zur Brusthöhe erhoben, erblicken wir den Maler Thibaut und 
im Hintergründe ärgert sich eine ältliche dicke Dame sichtlich über das Glück 
der verwegenen Spielerin, der Künstler nennt uns Frau Hiersch; neben dieser 
erregten Dame sehen wir den damaligen Hofrath Adamovitz und der junge Mann 
in gelbem Rocke, welcher mit geröthetem Antlitze vom Sessel emporschnellt, 
nannte sich Herbert. Den alten Herrn mit dem Diplomatenkopf, welcher dem 
Vorigen zunächst sitzt, konnte uns Swoboda leider nicht mehr nennen, dagegen 
bezeichnete er den Herrn im blauen Rocke, welcher den Kopf auf die Linke 
stützt, als den Kaufmann Theer. Der sich ganz vorne links am Bilde auf den 
beschäftigt haben. Bemerkt muss werden, dass er ein sehr gewiegter 
Kenner der alten Meister war und daher oft von Kunstfreunden zu 
Rathe gezogen wurde. Der Ver 
fasser war gelegentlich Zeuge 
einer heftigen Debatte zwischen 
ihm und dem ebenfalls ausge 
zeichneten Kenner alter nieder 
ländischer und holländischer 
Kunst, Remi van Haanen, 
wobei ersehen werden konnte, 
mit welcher Schärfe und mit 
welchem jugendlichen Feuer er 
gegenüber dem Gegner seine 
Anschauung verfocht. Eybl 
starb nach längerem Leiden in 
Folge einer Lungenentzündung 
zu Wien am 29. April 1880 und mit ihm sank abermals einer der 
wenigen noch übrigen Vertreter der alten Wiener Kunst ins Grab. 
Eduard Swoboda ist wohl der letzte Mohikaner zu nennen, 
der noch aus dem Kreise der älteren Wiener Genremaler in unsere 
Tage hereinlebt, entsprechend einer alten Eiche, die so fest in ihrem 
Boden eingewurzelt ist, dass sie kein Sturm umzulegen vermochte. 
Gleich Rudolf Alt, der ebenfalls ein Achtziger, noch rüstig thätig 
ist, und nicht blos das, sondern auch noch auf der ganzen Höhe 
seines künstlerischen Schaffens steht, bewahrt auch Swoboda noch 
die volle Gesundheit und ebenso die Freude an Leben und Beruh* *) 
EDUARD SWOBODA. Va banque. 
wie uns Swoboda erzählte 
*) Eduard Swoboda feierte am 14. November 1894 seinen 80. Geburts 
tag, wahrhaft frisch an Geist und Körper. Er kennt die alte Zeit und erzählt 
zuweilen gerne von ihr und in diesem Sinne veröffentlichte die »Neue Freie
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.