Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

66 
rufene und mit aussergewöhnlichem Erfolge sich bethätigende Maler 
Michael von Zichy, der hier so populär gewordene Invaliden- 
Maler Friedrich Friedländer, auf welchen wir noch zu sprechen 
kommen werden, sodann der humorvolle Darsteller gemüthlicher 
Genrebilder aus dem Volksleben Franz Schams, der sich leider 
inmitten seiner besten künstlerischen Entwicklung das leidige, aber 
sichere Brod freilich eines der vortrefflichsten Chromolithographen 
wählen musste, weiters der jetzt als Akademie-Professor zu Krakau 
wirkende Leopold Löffler, welcher sich zur Unterscheidung mit 
dem ebenfalls in Wien thätigen Maler Löffler den Beinamen 
Radymno gab; sodann waren Waid müll e r’s Schüler die heute wohl- 
bekannten Maler Eugen Felix und der kürzlich verstorbene Anton 
Ebert, der seinerzeit nach Brüssel übersiedelte ausgezeichnete Hi 
storien- und Genremaler Wilhelm Koller,*) der jetzt als Gemälde- 
Restauratorbestens bekannte einstige Porträt-und GenremalerEduard 
Ritschl, ferner der Genremaler Mallitsch, welcher sich später der 
Landwirthschaft auf seinem Gute in der Steier 
mark zuwendete. Der letztere hat eines seiner 
ganz im Geistes eines Lehrers gemalten Bilder 
in der kaiserlichen Gemälde-Galerie. Es ist 
benannt »Das Findelkind« und stellt eine 
Bauernfamilie dar, welche sich liebevoll des 
kleinen verwaisten Geschöpfes annimmt.**) 
er ihm auch nicht die künstlerische Achtung versagen mochte. Wald 
müller war kühn herausgetreten aus dem bisher Bestandenen, er 
flog hinan, seine Flügel aber schmolzen nicht. 
Fassen wir die gesammte künstlerische Thätigkeit Waldm ü 11 er’s 
zusammen, so finden wir, dass sie nicht nur eine sehr vielseitige, 
sondern nachgerade ruhelose gewesen ist. Ihm war, sowie jedem 
echten Künstler, die Ausübung seiner Kunst ein Bedürfniss und es 
war für ihn die Arbeit dasjenige, was Anderen als Erholung gilt. 
Deshalb auch sehen wir durch die lange Zeit seiner Thätigkeit stets 
die gleiche Frische und Urwüchsigkeit, in keinem seiner Werke 
können wir ein unsicheres Tasten oder ein schwankendes Rathen und 
Künsteln wahrnehmen, überall finden wir den freien Ausfluss der 
malerischen Empfindung, stets fussend auf treuer Beobachtung und 
Nachahmung der Natur. Seine Bilder machen daher alle den Ein 
druck der unmittelbaren Wahrheit, aber bei dieser Wahrheitsmalerei 
verstand WaldmüHer Eines, was so viele heute unter gleicher 
Tendenz strebende Künstler nicht verstehen: 
stets in den Grenzen der Kunst zu bleiben; er 
componirte nicht, aber er ordnete, und die 
Wahl seiner Objecte war allezeit eine künst 
lerisch ästhetische. Fand er auch nicht immer 
das Schöne, rein Ideale in der Natur, so liess 
er sich doch nie zur Darstellung des Häss 
lichen verführen, und so trocken er sich viel 
leicht in manchen Fällen der Wahrheit ver 
sichert haben mochte, so lag es doch nicht in 
seiner Absicht, etwa damit nur pikant wirken zu 
wollen. Waldmüller steht daher wie ein 
mächtiger Fels, der alle Zeiten überdauert, 
unter seinen Genossen da; in der kunstgeschicht 
lichen Entwicklung Wiens nimmt er eine 
Stellung ein, wie nur wenige Künstler, deren 
Geltung von Niemandem mehr bestritten werden kann. Ihm konnte es 
auch gelingen, alle seine Schüler auf die richtigen Bahnen 
lenken, er gab ihnen mit auf den Weg, auf den dornenvollen 
Pfad der Kunst, was ihnen vor Allem werth sein musste, Wahrheit 
und Redlichkeit, und mochten auch viele unter ihnen andere 
Gebiete, als ihr Meister beherrschte, betreten haben, Eines blieb ihnen 
für ihr künftiges Wirken: die gesunde Basis, die er ihnen gegeben 
und auf der sie ihre verschiedenartigen Talente weiter auszubauen 
vermochten. 
Waldmüller starb in Wien, am 23. August 1865. Sein Grab 
finden wir auf dem Matzleinsdorfer Friedhof. Ich denke, man wird auch 
endlich für ihn ein Ehrengrab auf dem Central-Friedhof haben, oder sollte 
er vielleicht auch sogar, gleich dem jüngst verstorbenen Jakob Emil 
Schindler, eines Monumentes im Stadtpark werth befunden werden? 
Den letzten Trost für jahrelanges schweres Leid, das ihm sein 
Freimuth und seine Rechtlichkeit bereitet hatten, fand der greise 
Künstler in der ihm kurz vor seinem Tode gewordenen Anerkennung 
seines geliebten Allerhöchsten Herrn und Kaisers, welcher ihm nicht 
nur sein einstiges volles Gehalt als Pension anweisen liess, sondern 
ihn auch mit dem Franz Josephs-Orden auszeichnete. 
Von seinen zahlreichen Schülern sind besonders zu nennen: 
der frühzeitig auf Empfehlung des Meisters nach Petersburg be 
*) Derselbe war der Sohn des seinerzeit hier 
wohlbekannten Farben- und Malerrequisiten-Fabrikanten 
Koller, welcher auch als Kunstsammler hoch geschätzt 
wurde. 182g geboren, genoss Wilhelm Koller im 
Elternhause eine sorgfältige Erziehung und studirte 
sodann an der k. k. Akademie der bildenden Künste in 
Wien, wo er auch verschiedene Preise erhielt. Vom 
Jahre 1851 bis 1855 hielt er sich behufs weiterer Aus 
bildung in Düsseldorf auf und erzielte bereits mit seinen 
ersten Bildern: »Das Asyl«, »Die Auswanderer« und 
»Aus dem Bauernkriege« Beifall. Im Jahre 1856 begab 
sich der Künstler, angeregt durch die grossen Erfolge 
der damaligen belgischen Hauptmeister, nach Antwerpen, woselbst er seine 
bisherige, mehr an Lessing anlehnende Richtung aufgab, um sich der Me 
thode und Technik der belgischen Maler anzuschliessen. Er blieb in Ant 
werpen bis zum Jahre 1859, aus welcher Zeit eines seiner bedeutenderen 
Bilder »Die heimliche Ehe des Erzherzogs Ferdinand mit Philippine Welser« 
rührt. Von 1859 liess er sich in Brüssel bleibend nieder und er soll sich auch 
daselbst verheiratet haben. Hier in den Zenith seines künstlerischen Schaffens 
gelangend, schuf er eine Reihe von gediegenen Werken, welche nament 
lich durch solide Technik und feine coloristische Behandlung allenthalben An 
erkennung fanden. Als die bedeutendsten derselben werden genannt: »Tilly’s 
Rückzug aus der Schlacht bei Magdeburg«, sodann »Die Taufe Luther’s«, »Faust 
und Gretchen im Garten«, »Sonntagsmorgen«, »Albrecht Dürer in den Nieder 
landen«, »Hochzeitszug des Erzherzogs Maximilian in Gent« u. s. w. Die von 
Koller zu seinen Bildern zumeist erwählten Stoffe spielten in einer Zeit, wo die 
Costüme die malerische Darstellung unterstützten, er zog sie daher der Wahl 
von Genrebildern der schlichteren Gegenwart vor; seine Begabung für das rein 
Malerische überwog eben die Fähigkeit der Wiedergabe seelischen Ausdrucks. 
Koller lebte viele Jahre in den glücklichsten Verhältnissen — was dann seinen 
so traurigen Niedergang in den letzten Jahren seines Lebens verursacht 
haben mag, darüber konnte uns leider bisher keine genügende Auskunft 
ertheilt werden. Genug, der vortreffliche Künstler soll, wie man uns in Brüssel 
mittheilte, auf der Landstrasse bei Nancy im October des Jahres 1884, und 
zwar im tiefsten Elend, gestorben sein. Sein so schönes Aquarell, welches 
er für das Kronprinz-Album im Jahre 1881 im Aufträge der Grossindustriellen 
von Wien malte, und wofür er in sinniger Weise als Gegenstand den Braut 
zug Maximilian I. und der Maria von Burgund (1477) wählte, liess wohl 
nicht ahnen, dass dieser Künstler nach 3 Jahren schon seinem Ende entgegen 
gehen würde. 
**) Ferdinand Mallitsch theilte uns in einem Schreiben vom 15. Jänner 
1892 in liebenswürdiger Gewährung unseres Ansuchens um biographische 
Daten mit, dass er am 7. März 1820 zu Graz geboren und daselbst erzogen 
wurde, das Gymnasium und die damals noch bestehenden zwei sogenannten 
A. EBERT. Selbstbildniss. 
zu
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.