Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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den leicht und froh schaffenden Künstler eingebüsst haben mochte 
kam die »Frau Sorge« über ihn und die Seinen. Gelegentlich 
eines Besuches, welchen der Künstler dem Verfasser im Belvedere 
abstattete, sprach er sich vertraulich aus und beklagte sich bitter 
über den Niedergang der Chromolithographie und die hiedurch über 
ihn hereingebrochenen Verhältnisse. Der Versuch, sich dem Fache 
der Gemälderestaurirung zuzuwenden, um sich den nothwendigen 
Erwerb zu beschaffen, blieb ohne Erfolg, denn der Künstler, welcher 
für seine alten Tage in der That ein besseres Los verdient hätte, 
starb bald darauf zu Wien am 22. März 1883. Eine pecuniär ziemlich 
zu sehen, ja sein Geschick war schnöde genug, ihn, wie gesagt, 
nicht einmal für seine alten Tage zu sichern. Ich stehe nicht an, 
es immer wieder offen zu sagen, dass Wien zumeist mit seinen 
Künstlern nicht dankbar verfahren ist. Die Kunst befindet sich bei 
uns noch immer auf einer Art von Almosen-Standpunkt und dieser 
nimmt seinen Ausgangspunkt von dem stets noch mangelnden Be 
wusstsein der hohen, ja höchsten Wichtigkeit der Kunst im Staate. 
Ebenfalls als einer der bedeutendsten Schüler Wald m üller’s, hat 
uns der bereits oben genannte Leopold Löffler-Radymno zu gelten. 
Obwohl Pole von Geburt und Erziehung, hatte er sich doch in Wien 
Rudolph von Habsburg in der Schlacht bei Murten. 
wirkungslose Collectiv-Ausstellung seiner Werke im darauffolgen 
den Jahre im Künstlerhause vermochte seiner Familie nur wenig 
zu bringen. Wie lange S chams Schüler bei Wald m ül 1 er gewesen 
sein mochte, ist uns nicht genau bekannt, aber dass er seinem 
Meister nur Ehre machte, ist gewiss. 
Franz Schams war als Mensch eine harmlose heitere Natur, 
liebenswürdig im Umgang, befliss er sich stets grosser Bescheidenheit 
und vor Allem lag ihm jede Streberei fern. Hätte er etwas Ver 
anlagung zur letzteren gehabt, vielleicht würde er es dahin gebracht 
haben, besser gewürdigt zu werden. Aber ihm ging es gerade so 
wie vielen anderen Malern seiner Zeit, die niemals zu jenem an- 
spornenden Bewusstsein gelangen konnten, sich vollwerthig anerkannt 
theils durch den daselbst empfangenen Unterricht, theils durch den 
gesellschaftlichen Verkehr so acclimatisirt, dass er nicht selten, 
namentlich in seinen dem bürgerlichen Leben angehörenden 
kleineren Genrebildern, einen gewissen Localton anschlug, der ihn 
auch dem Verständniss der Wiener näher brachte. 
Leopold Löffler ist der Sohn des Gubernialsecretärs Johann 
Löffler und der Frau Domicela Löffler, geh. Dombrowska. Er 
wurde zu Rzeszow in Galizien den 30. October 1827 geboren, vollendete 
in Lemberg seine Gymnasialstudien und trat nach den Aufnahmslisten 
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der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien am 1. October 
1845 in diese Anstalt ein, woselbst er nach seiner eigenen Mit 
theilung nur zwei Jahre blieb, um seine Lehrzeit sodann bei
	        
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