Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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Selbstporträt und von dem jüngeren eine »ruhende Venus« in der 
kaiserlichen Gemäldegalerie aufgestellt. 
Von den Landschaftsmalern der Uebergangszeit wollen wir 
zuerst Josef Fischer (1769, t 1822) nennen, welcher zugleich 
Kupferätzer und Radirer war. Sein Bild »Ansicht von Wien von der 
Anhöhe oberhalb Nussdorf aus gesehen«, gehört noch in die 
Brand’sche Richtung; es weht uns 
aber doch, sowie aus manchen 
Bildern des leider in der kaiser 
lichen Gemäldegalerie nicht ver 
tretenen Martin von Molitor,*) 
schon eine frischere Luft aus dieser 
landschaftlichen Darstellung ent 
gegen. Auch Lorenz Schön 
berger strebt als ein Zeitgenosse 
Fi sch er’ s aus der alten An 
schauung heraus; sein Lehrer war 
der seinerzeit so geschätzte Mi 
chael Wutky in Wien, von 
dem namentlich die k. k. Akademie 
der bildenden Künste eine Anzahl 
Werke besitzt, darunter die damals 
so sehr beliebten Vesuv-Ausbrüche und Mondlandschaften. 
Der von Goethe so hoch anerkannte Landschafter Jacob 
Philipp Hackert (1737, t 1807), der sich halb in Nachahmung 
der alten Meister, halb in Manier ergeht, lässt uns heute gänzlich 
kalt. Er gehört nicht in die Gruppe der österreichischen Maler, es 
machte sich jedoch sein Einfluss namentlich bei jenen Künstlern 
geltend, welche in Italien mit ihm 
in Verkehr traten. 
Ganz anders erscheint uns 
dagegen Josef Koch (1768,11839); 
er steht fester, ehrlicher auf der 
Basis der alten Meister. Das Studium 
der Carracci- und Domenichino’schen 
Landschaften hat in ihm eine wohl 
geordnete ideale Anschauung der 
Natur geschaffen, namentlich wenn 
er bei Italiens landschaftlichen Vor 
würfen blieb. Weniger glücklich war 
er unserer Ansicht nach mit den 
alpinen Landschaften aus seiner 
Heimat. Es fehlten ihm hiefür die 
jenigen Ausdrucksmittel, welche die so fein zu gliedernden Valeurs 
einer Gebirgslandschaft verlangen, sowie seine Compositionsweise 
der nothwendigen Vereinfachung des compositionellen Aufbaues einer 
Gebirgslandschaft überhaupt nicht förderlich sein konnte. Ein sehr 
interessantes Studium gewähren seine zahlreichen Compositionen, 
deren sich eine reichhaltige Collection in der Bibliothek der k. k. 
Akademie der bildenden Künste in Wien befindet. Es durchweht 
der kaiserlichen Gemäldegalerie entwickelte Russ eine dankenswerthe 
Thätigkeit, da ihm nach dem Tode Füger’s bis zur Wiederbesetzung 
der Directorsstelle durch Rebell (1824) die alleinige Leitung der 
Galerie oblag.*) Russ ist, man kann wohl sagen, der Stammvater 
einer bis auf unsere Tage reichenden Künstlerfamilie. Leander 
Russ, von dem später die Rede sein wird, folgte seinem Vater als 
hochbedeutender Künstler nach, 
sowie auch dessen Schwester 
Clementine Russ, welche, 
namentlich für Almanache und 
Taschenbücher zeichnerisch thätig, 
sich einer geachteten Stellung als 
Künstlerin erfreute. Nach einer 
ganzen Reihe von Künstlern des 
selben Namens, die allesammt 
der Familie des Carl Russ ent 
stammen dürften und mehr oder 
minder excellirend thätig waren, 
erschien unser ausgezeichneter 
Landschaftsmaler Robert Russ, 
von dem zu sprechen wir ebenfalls 
später Gelegenheit haben werden. 
Akademiegenossen des Carl Russ waren auch Johann 
Peter Krafft, der nachmalige Maler des Landwehrmannes, und 
Anton Petter, der die Historienmalerei der modernen Richtung 
bereits anstrebte. Beide Meister sind nicht mehr in die Uebergangszeit 
der Füger’sehen Kunstperiode zu stellen, sondern sie haben mit 
ihren Kunstanschauungen bereits den Rubikon überschritten. 
In die ältere Richtung aber 
gehören noch die beiden Reichsritter 
Lampi, Vater und Sohn; der erstere 
ist zu Romeno in Tirol 1751 ge 
boren, hatte besonders als vorzüg 
licher Bildnismaler grosse Erfolge 
und lucrative Anerkennung zu ver 
zeichnen.**) Der letztere ist 1775 
zu Trient geboren und genoss neben 
dem Unterricht seines Vaters auch 
jenen von Füger und Maurer. 
Auch er hatte als Porträtmaler 
bedeutende Erfolge aufzuweisen, 
namentlich während seines dreizehn 
jährigen Aufenthaltes in Russland, 
wo er wie sein Vater eine reichliche Ernte für die Ausübung seiner 
Kunst einheimste. Von dem älteren Lampi ist ein wenn auch der 
späteren Zeit des Künstlers angehörendes doch tüchtig gemaltes 
J. KOCH. Die Wasserfälle von Tivoli. 
J. REBELL. Meeressturm. 
*) Es dürfte nicht uninteressant sein, hier erwähnt zu werden, dass 
Carl Russ gegen die durch die Initiative des Directors Rebell vorgenommenen 
Gemälderestaurationen, über welche sich Waagen so missfällig äussert, energisch 
Einsprache erhoben hat, wodurch er aber nur eine für ihn peinliche Disciplinar- 
untersuchung erzielte. 
**) So zahlte ihm die Kaiserin von Russland für ihr Bildniss in Lebensgrösse 
12.000 Rubel, und während seines Aufenthaltes in Petersburg jährlich 1000 Rubel 
als Quartiergeld und extra für die Hin- und Herreise 400 Rubel. 
*) Ein Bild von diesem Maler befindet sich in der Galerie der k. k. Aka 
demie der bildenden Künste, darstellend eine Ansicht vom Donaucanal.
	        
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