Full text: Moderne Meister (Band 3, 1897)

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Amerling verweilte n Monate in London, wobei er von Lawrence 
wie auch an der dortigen Akademie Tüchtiges gelernt hatte. So 
ausgerüstet mit Kenntnissen begab er sich nach Paris, um daselbst 
den zu jener Zeit ebenfalls schon auf der Höhe des Erfolges und 
der Anerkennung stehenden Horace Vernet aufzusuchen. Er fand 
eine freundliche Aufnahme, doch traf hier unseren Amerling ein 
gar schwerer Verlust durch die Veruntreuung seiner Studien sowie 
seiner sämmtlichen Habseligkeiten, die er in London bis auf Weiteres 
noch zurückgelassen hatte. Das Schlimmste hiebei für ihn war aber, 
dass damit auch seine sämmtlichen Empfehlungsschreiben verloren 
gegangen waren. Schon nach einem zehnmonatlichen Aufenthalte in 
Paris musste er in Folge eines hartnäckigen Fiebers die Heimreise 
antreten. Mit seinem Prager Aufenthalte und durch die verschiedenen 
Aufenthalte, die er auch in anderen Städten noch genommen hatte, 
war Amerling im Ganzen durch volle vier Jahre in der Fremde 
gewesen. Im Jahre 1828 siedelte er sich sonach wieder in Wien 
an, woselbst er mit dem bekannten 
Miniaturporträtmaler Robert Theer zu 
sammen ein Atelier miethete. Er con- 
seinen Studien unter Behagen und Wohlstand nachgehen zu können.*) 
Aus reicher Leute Kindern sind nur sehr wenige Künster her 
vorgegangen. Schon die Erziehung, die sie geniessen, lässt sie zumeist 
andere Lebenswege gehen und sonach andere Ziele verfolgen. 
Der Verfasser kennt frühe, ja sehr frühe Arbeiten des Meisters, 
sie sind sogleich von einer ganz ungewöhnlichen Reife und Frische 
der Auffassung und Technik. Professor Redl, der ein guter Porträt 
maler war, und welchen Amerling noch als junger Akademiker 
conterfeite — das ganz vortreffliche Bildniss befindet sich noch in 
der Gemäldesammlung der k. k. Akademie — mochte dem jungen 
Manne unter seinen übrigen Lehrern hier wohl der nutzbringendste 
gewesen sein. Wie weiters berichtet wird, zwang ihn seine Mittel 
losigkeit, die Akademie früher zu verlassen, als es seine Absicht war. 
Amerling wendete sich nunmehr an den Bruder seines Vaters in 
Prag, der dort als Garnisonsauditor in guten Verhältnissen lebte, 
verheiratet, jedoch kinderlos war. Der junge Künstler wanderte 
sonach nach Prag, wo es ihm auch 
gelang, bessere Verhältnisse zu 
finden. Er besuchte daselbst die Aka 
demie der Künste unter Tkadlik und 
Bergler und trat hier auch in Bezie 
hung zu Josef Führich, der daselbst 
sein Mitschüler war. Welch himmel 
weit verschiedene Künstlernaturen diese 
beiden hervorragenden österreichischen 
Maler waren, bedarf wohl keiner Er 
örterung, doch in Einem waren sie sich 
gleich, und zwar in dem Ernste, mit 
welchem beide Künstler ihre Wege 
verfolgt und gefunden hatten. In Prag 
fand auch Amerling Zutritt in vor 
nehme Familien, wie die der Grafen 
Kaunitz, Daun u. A. Freilich waren 
currirte nun um den Reichel’schen Preis, 
den er auch mit seinem Dido-Bilde, 
zu welchem ihm 
wie erzählt wird 
— die drei Schwestern Elssler Modell 
gestanden haben sollen, gewann, mit 
welchem Preise der Betrag von 160 fl, 
sowie die Befreiung vom Militär 
dienste verbunden waren. Bei dem 
Concurs für den Kaiserpreis, wodurch 
er in das »gelobte Land* der 
Künstler, Italien, kommen sollte, wurde 
seine Arbeit »Moses in der Wüste«, als 
von dem Programm der gestellten 
künstlerischen Aufgabe zu sehr ab 
weichend, ausser Concurs gestellt. 
Nichtsdestoweniger gelangte A m e r- 
1 i n g, dessen Ruf sich bereits zu ver 
breiten begann, zu Bethätigung und Erfolg. Ein Porträt der schönen 
Fürstin Gabriele Auersperg, sodann ein Bildniss des Erzherzogs 
Rudolph im Cardinaiskleide erregten die Aufmerksamkeit der hohen 
und höchsten Kreise. In Begleitung seines Freundes, des Malers und 
Architekten sowie späteren Dombaumeisters von St. Stephan, Leopold 
Ernst, von welchem die kaiserliche Gemäldegalerie seit kurzer 
Zeit ebenfalls ein Bild besitzt, auf das wir später noch zu sprechen 
kommen werden, trat Amerling im Jahre 1831 seine erste Reise 
nach Italien an, wobei er Rom, Neapel, sowie überhaupt die hervor 
ragendsten Städte besuchte. Der Meister kam übrigens während 
seiner Lebensdauer lömal nach Italien, wohin er sich gewöhnlich 
zu begeben pflegte, wenn er, von vielfacher künstlerischer Arbeit 
ermüdet, neue Schaffenslust und Thatkraft finden wollte. Auf sein 
künstlerisches Schaffen im Allgemeinen nahm aber Italien doch nur 
einen indirecten Einfluss, wogegen ihn der Effectmaler Riedl und 
sein Nachbeter Pollak eines Tages in eine Richtung drängten, die 
mit ihrem lärmenden Colorit und Beleuchtungsspectakel bei ihm 
zum Glücke nicht lange anhielt. Amerling’s erster Aufenthalt in 
C.-M. 
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es sehr mässige Preise, zu denen 
er noch ihre Porträte malte, aber er 
gelangte damit doch endlich zu einer 
Barschaft von 250 fl. C.-M., mit welcher er mit jugendlicher Kühnheit 
im Jahre 1826 die Reise nach London antrat, um dort das Atelier 
des damals gerade auf der Höhe seines Ruhmes stehenden eng 
lischen Malers Lawrence frequentiren zu können. 
Dass der unbemittelte junge Künstler anfänglich kein leichtes 
Sein in der Weltstadt London hatte, ist nur zu begreiflich. Doch 
Talent und Fleiss halfen auch hier weiter. Oberst Amerling gedenkt 
in seiner biographischen Skizze über seinen berühmten Bruder des 
Sohnes des Prager Banquiers Zdekauer 
hier wohlbekannten k. und k. Hofsecretärs Dr. Ritter v. Zdekauer 
im k. und k. Ministerium des Aeussern 
AMERLING: Ruhender Fischerknabe. 
eines Verwandten des 
mit dem der junge 
Künstler in London in freundschaftlichen Verkehr zu treten Gelegen 
heit fand, weiters des damaligen Botschafters Fürsten Paul Esterhazy, 
welcher sich mit Wärme des jungen Wieners annahm, sodann der 
Familie Süss, Verwandter unseres Abgeordneten hier, welche sich 
ebenfalls seiner in der dankenswertesten Weise angenommen hatten. 
*) Auch Peter Fendi und viele andere bedeutende Künstler waren in ihrer 
Jugend nicht auf Rosen gebettet und mussten frühzeitig ihr Brot erwerben.
	        
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