Full text: XXXX. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien

  
BER wie kann man nur Plakate ausstellen und sammeln? 
Bunte Papierfetzen, die heute Wind und Wetter preis- 
gegeben, morgen dem Mistbauer verfallen sind? — Ja, 
ich gestehe, zuerst war es nur die Freude der Augen 
an einem leuchtenden Farbenakkord, das Behagen an 
einem lustigen Fleck, an einer schönen Linie oder 
einem geistvollen Einfall, an einem Witz des Künstlers, die mich 
bestimmten, eine Auswahl derartiger Blätter viele Jahre hindurch auf- 
zubewahren. 
Nach Lichtwark und Muwther ist vor einem Jahrhundert die 
Literatur der bevorzugte Stoff für die Unterhaltung gewesen, dann ist 
die Musik an die Reihe gekommen und heute spricht man natürlich 
auch noch über Dichtung und Musik, aber nicht mehr so ausschließlich 
wie früher, es scheint jetzt an die bildende Kunst die Reihe zu kommen. - 
Tatsächlich hat auch in den letzten Dezennien unter allen Künsten 
keine so außerordentlich an allgemeinem Interesse und an Ausdehnung 
gewonnen, wie die bildende Kunst. Der immens steigende Besuch der 
Bildergalerien, zahllose Kunstausstellungen in allen Kulturzentren, 
Millionen von Amateurphotographen, die großartige Ausgestaltung des 
photomechanischen Reproduktionsverfahrens, Diapositivvorträge bei 
jeder Gelegenheit, der Ansichtskartensport, Kinematograph — alles 
wendet sich an das Auge. Und nicht zuletzt das Plakat! 
In einem geistvollen Apercu vergleicht Max Liebermann die Graphik 
mit der Hausmusik. Beide vertiefen das Kunstinteresse und das Kunst- 
verständnis. Will man diesen Vergleich fortsetzen, so entspricht das 
Plakat der Straßen-, Platz- und Burgmusik. 
Bis gegen 1880 vorwiegend Schriftplakat wird es nach und nach 
zum Bildplakat. Wachsendes Kunstinteresse, guter Geschmack und 
nicht zuletzt die geschäftlich ganz richtige Absicht des Bestellers, das 
 
	        
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