Full text: CII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession - mit Kollektionen, Oberbaurat Leopold Bauer, Professor Rudolf Jettmar, Maler Franz

Überschüsse der Wirtschaft fast vollständig an sich, 
so daß keinem Privaten überschüssige Geldmittel 
zur Erwerbung von Kunstwerken mehr übrigbleiben, 
so muß auch der Staat dafür Sorge tragen, daß 
von diesen Überschüssen wieder ein Teil für die 
Kunst abfällt. 
Aber ‘ebensowenig als einst Fürsten und Adel, 
Klerus und Bürgertum diese Förderung von Kunst 
und Künstlern mit der Gebärde des Almosen- 
spendens ausübten, sondern sie als eine ihrer wich- 
tigsten Pflichten auffaßten, ebensowenig darf auch 
heute der Staat auf dem Standpunkt stehen, Kunst 
und Künstler mit Almosen abspeisen zu können. 
Denn man kann vom Volke nicht mit Scheffeln 
nehmen und mit Löffeln zurückgeben. Durch den 
Ankauf einiger billiger Bilder und Bestellung eines 
halben Dutzend Porträts im Jahre glaubten bisher 
die amtlichen Stellen ihrer Verpflichtung Genüge 
getan zu haben; diese Art von Kunstförderung 
gleicht aber wirklich nur dem berühmten Tropfen 
auf den heißen Stein. Die staatlichen Funktionäre 
müssen endlich einmal den Rechenstift in die Hand 
nehmen und die Erfordernisse von Kunstbetrieb 
und Kunstförderung mit derselben Gründlichkeit 
und Aufrichtigkeit erwägen und berechnen, wie dies 
bei anderen Erfordernissen geschieht. 
Heißt es im Staatspräliminar: Soundso viele Pro- 
zente der Staatseinkünfte werden für Erhaltung 
des Bundesheeres ausgeworfen, soundso viel für 
Handel und Verkehr, soundso viel für Bezahlung 
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