Full text: CIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession - Künstlerisches Gestalten des Kindes, Methode Thetter

WIE DIE GEDICHTE DER ACHT- BIS NEUN- 
JÄHRIGEN KINDER ENTSTANDEN. 
Von FRANZ WUNDERER 
WEICH UND ZART, SO WIRD DER MENSCH, 
HART UND STARK STIRBT ER. 
SCHWANK UND ZART, SO KEIMT DER BAUM, 
STARR UND STARK STIRBT ER. 
ALL SO — — — 
Aus „Die Bahn und der rechte Weg des LAO-TSE“, 
der 76, Spruch in der Übertragung von Alex, ULAR, 
m Herbst 1924 übernahm ich die Schulneulinge und führte sie durch 
drei Jahre bis in die dritte Klasse. Im Winter und Frühjahr 1927 
kamen dann die hier veröffentlichten Gedichte zustande; die Kinder waren 
also damals noch keine neun Jahre alt, als diese Gedichte entstanden. 
Das Wesentliche unserer Pädagogik: künstlerische Gestaltung des 
Gesamtunterrichtes, wurde in der Vorrede ausgeführt und begründet. 
Ich habe in gedrängter Form von den praktischen Auswirkungen zu 
erzählen. Aus der Fülle der Begebenheiten in diesen drei Unterrichts- 
jahren kann ich nur einzelne herausgreifen. Sie wurden aber so gewählt, 
daß der Leser an den gegebenen Einzelheiten, gleichsam von Knoten- 
punkt zu Knotenpunkt tastend, selbst das Wesentliche der Unterrichts- 
führung erkennen kann. Daß auch anscheinend ganz primitive Ereignisse 
in der Unterrichtsgestaltung von Bedeutung sind, wird sich im Verfolg 
dieser Ausführungen ergeben. 
Eine im Anfang des Unterrichtens erfolgte Musterung der Taschen- 
inhalte der Schüler förderte außer Knöpfen, Nägeln, bunten Glas- 
stücken, farbigem Papier, Kastanien, Steinen, Fleckchen, Schnüren, 
Fäden, Gummibändern usw. auch noch den Beweis der Grund- 
verschiedenheit der kindlichen Interessensphäre von der des 
Erwachsenen durch den bloßen Augenschein zutage. Für die Praxis des 
Pädagogen konnte die daraus entstehende Erkenntnis bestimmenden 
Einfluß gewinnen. 
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