Full text: CIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession - Künstlerisches Gestalten des Kindes, Methode Thetter

Er ist zwar keineswegs vom Gesamtunterricht zu trennen, ich muß aber 
mehr solche Einzelheiten herausgreifen, die den Sprachunterricht im 
engeren Sinne charakterisieren. Der erste Sprachunterricht ist Sprech- 
unterricht. Die Kinder durften reden wie ihnen der Schnabel gewachsen 
war. Sie durften auch über alles reden. Bei keinem Wort, und war es 
manchmal auch ein derbes Wort, zuckte mein Lehrergewissen. Sie sollten 
sich mir eben mit allem anvertrauen können. Im Hin und Wider der 
Gespräche und Erzählungen wurde die Umgangssprache um viele Wen- 
dungen und Begriffe bereichert und dadurch die Kinder in ihrer Aus- 
drucksfähigkeit gesteigert. Wir pflegten Schriftsprache und Dialekt als 
gleichberechtigt nebeneinander. Sagt doch Misson, daß gerade im nieder- 
österreichischen Dialekt „die hehren Klänge der Ulfilassprache“ am 
reinsten noch fortklingen. 
An Sprüchen, Volks- und Kinderreimen, einzeln und im Chor ge- 
sprochen, wurden allmählich die einzelnen Laute hörend geschieden. 
Storch, Storch, Schnibel, Schnabel 
Mit der langen Heugabel... 
Pripe nine sause, 
Der Fuchs steht hinterm Hause, 
Er hat den langen Schlitten mit 
Und nimmt die bösen Kinder mit. 
Der Fuchs steht hinterm Hause 
Pripe nine sause. 
Der Wind, der Wind, 
Das himmlische Kind. 
Aus dem Haus, o großer Graus, 
Schaut die schwarze Hex heraus. 
Schau, schau, wia’s regna tuat, 
Schau, schau, wia’s giaßt, 
Schau nur, wia's Wasser] 
Von Däch äba schiaßt. 
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