Full text: CIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession - Künstlerisches Gestalten des Kindes, Methode Thetter

„Schmetterling, Schmetterling setz’ di, 
bist da allaletzti.“ 
Ein zweiter Knabe kommt dazu: 
„Schmetterling, Schmetterling fliag davon, 
daß die niemand fängan känn!“ 
Der Schmetterling flog denn auch richtig fort, die beiden Buben rauften. 
Ich ging weiter, ohne daß sie mich sahen. Der nächste Tag: Verhand- 
lung, warum sie gerauft hätten? „Der hat angefangen.“ Der andere: 
„Der hat angefangen“ usw. „Ja, er hat aber gerufen: Schmetterling, 
Schmetterling fliag davon, daß die niemand fängan kann, und da ist 
mein Schmetterling fortgeflogen.“ — „Ja, ich hab’ das gesagt, weil ich 
hab’ wollen, er soll ihn nicht erwischen.“ 
Die Meinung der Klasse, wer da eigentlich Schuld hätte, war 
geteilt. Zwischen dem Hin und Her der Meinungen schien aber ein 
Bedeutendes auf: Die Kinder glaubten (unausgesprochen) an die 
Wirkung der hergesagten Sprüche. 
Schon mehrmals hatte ein Ausflug nach Schönbrunn unterbleiben 
müssen, weil schlechtes Wetter gewesen war, und heute war es wieder 
trüb. Da bemerkte ich im Schulgarten unter den wartenden Knaben 
einen, der auf seiner Hand ein Marienkäferchen hatte, umringt von 
seinen Kameraden, und alle sangen im Chor: 
„Frauenkäferl, Frauenkäferl, 
fliag näch Maria Brunn, 
bring uns heut oder morgen 
a recht a schöne Sunn.“ 
Als der Käfer fortflog, war der Jubel groß und ihre Überzeugung stand 
felsenfest, daß das Wetter schön bleiben werde. In meinen Gedanken 
schlug ich sofort die Brücke zu der eben erzählten Begebenheit mit 
dem Falter, später ging ich der Sache noch weiter nach. Verlieren näm- 
die Kinder beim Kugelspiel eine Kugel, so sagen sie: 
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