Full text: Katalog der II. Gobelins-Ausstellung

I. Stockwerk. 
Saal I. 
Nr. 1. Der Triumph der Liebe. 
Den Zug eröffnet Urania, mit beiden Händen die Leier 
haltend und spielend. Sie hält außerdem das Ende des Wagen- 
Jeitseiles. Der Wagen wird gezogen von zwei Sirenen, zwei 
Böcken und zwei Tauben. Auf ihm thront „Cupido“, ein geflü- 
gelter Knabe mit Vogelkrallen an den Füßen, die Augen ver- 
bunden, in der ausgestreckten Linken den Bogen, in der Rechten 
einen Pfeil haltend. Vor ihm ist eine brennnende Fackel auf- 
gestellt. Die vier Ecksäulchen des Wagengitters krönen Herzen. 
Die Räder schieben zwei Frauengestalten, die Wollust, „volupte“, 
mit einem sich ergießenden Gefäß, und der Müßiggang, „oysi- 
vite“. Unter den Rädern und am Bogen liegen: Pyramus und 
Thisbe, Herodias, Salomon, Herkules, Jason, Paris und Helena. 
Dem Wagen folgen ein junger Mann mit zwei Frauen ohne 
Beischriften. 
Oben nebeneinander zwei breite Inschriftbänder mit goti- 
schen Lettern: 
Par cupido damours le dien inmonde. 
Qui de son arc a faict plusieurs effors. 
Soyez vaincus le preux hardis et fors. 
Et le plus grans representant le monde, 
Aus der Folge der sechs Triumphzüge Petrarcas. Die Namen der Per- 
sonen sind eingewirkt. 
Französischer Bildteppich vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Wahr- 
scheinlich in Tours gewirkt. Höhe 4:31 Meter, Breite 5:80 Meter. 
Nr. 2. Der Triumph der Keuschheit über die Liebe. 
Den Zug eröffnet eine Vestalin mit einem Palmzweig und 
einer langen brennenden Kerze in den Händen. Der Wagen wird 
von zwei Tauben und zwei Einhörnern gezogen und überfährt 
Cupido. Auf dem Wagen steht die Keuschheit, „chastete“, die 
Mittelsäule umschlingend, barfüßig, im weißen Nonnengewand, 
einen Palmzweig in der Rechten. Die Räder schieben die Ent- 
haltsamkeit, „abstinence“, und die Mäßigkeit, „temperence‘“. Vor 
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