Full text: CXI. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession - Chinesische Malerei. Japanische Holzschnitte

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sam. Der letztere ist ein Pfeiler der Kunst des heutigen China und 
übt einen entschiedenen Einfluß auf die gesamte junge Künstler- 
generation. 
Unsere Wiener Ausstellung zeitgenössischer chine- 
sischer Malkunst ist deren erste in Europa über- 
haupt. Sie stellt uns zwei Richtungen vor: die akademische Tradi- 
tionsmalerei und die Moderne. Diese neue Schule der chinesischen 
Malkunst entstand in ihrem ureigensten Milieu und ist von Europa _ 
überhaupt nicht beeinflußt — wie dies z. B. bei der japanischen Kunst 
der Fall ist —, sie arbeitet mit ihren eigenen Mitteln und kommt, 
was das Interessanteste daran ist, dabei durch ihre raffinierte Primi- 
tivität den altchinesischen Meistern sehr nahe. 
Tshi-bai-Shi, aus der Provinz Honan gebürtig, steht im 72. Lebens- 
jahr. Seine Bilder sind eine Flut eines wild jubelnden Rhythmus 
von Linien, seine Komposition sprengt alle Grenzen unserer okziden- 
talen Phantasie. Sein Pinsel ist vielleicht von überhaupt einzig- 
artiger Kühnheit in der Geschichte der chinesischen Malerei und 
seine Vorstellungsweise ist unausschöpflich. 
Der zweite der Großen unserer Ausstellung ist der Landschafts- 
maler (romantische Schule) Hsia-tschen-dzun. Von seinen Bildern 
gilt in China: Es gibt Gedichte, in denen Bilder sind, und es gibt 
Bilder, in. denen Gedichte sind. Er lebt in einem adaptierten alten 
chinesischen Tempel und häufig füllt er den ganzen Raum mit dem 
Rauch seiner Zigarre. Die Rauchwolken, sagt er, nehmen oft Formen 
an, daß er darin den Zug der Wolken und des Nebels sehe, daß 
er darin Visionen von Landschaften von einzigartiger Schönheit 
zu gewahren vermeine. Die Malerei führte er unter ausschließlicher 
Verwendung von Tusche zu so reicher Vielfalt, wie kein anderer vor 
ihm. Die Tusche ist für ihn nicht nur ein Mittel zum Konturieren — 
er malt mit Tusch. Seine Werke sind idealisierte, gleichsam Gedicht 
gewordene Landschaften, aus der Welt seiner Visionen eingefangen. 
Kuh Pao-King erstrahlte als ein Stern in der jungen chinesischen 
Künstlergeneration und erweckte Bewunderung sowohl in China als 
auch in Japan, starb aber bereits im Jahre 1923 und hinterließ 
über hundert Schüler und Nachfolger. Er diente auch seinem Vater- 
land, indem er als Mitglied der chinesischen Delegation an der 
Konferenz zu Washington teilnahm. 
Chen-Panting ist gleichfalls einer der höchstgeschätzten Künstler 
unserer Zeit. Er malt Blumen und Landschaften. 
Der Landschaftsmaler Hsia-Yi-shen, Professor der Pekinger Kunst- 
akademie, appliziert dem traditionellen Bildaufbau neue Richtungen. 
Dieser Künstler ist noch jung und vielversprechend. 
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