Full text: CXLIII. Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession

  
MUSIK 
  
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wirfende Sängerin, deren Sefälligfeit jozufagen in legter Stunde die Bor- | 
führung Ser ganzen Reihe ermöglichte, Hat leider verfjagt. Aber die Lieder 
jind nun da, der Rundfunk Hat fi ihrer bereits bemächtigt und die mufift 
liebende Welt wird nicht länger zögern, fich mit diefen Koftbarfeiten vertraut 
zu machen, | 
Den Wolf-Abenden folgte ein großes Bruchner-Fejft der Internationalen 
DBrucner-Sefelljchaft, bei dem die Philharmoniker, der Konzertverein, Ddie 
Sejellichaft der Mufikffreunde, der Männergefangverein, der Schubertbund, der 
Domchor, der Brucnerchor, das Konzerthausquartett mittvirften und {jo an- 
nähernd vder zum größten Teile das Sefjemtivertf des Mieijfters in genau achr 
Tagen zur Borführung fam. Freilich war das zuviel auf einmal, um {jo mehr, 
als aud) eine Feftvorftellung des „Lohengrin“ im Operntheater, eine Feier 
an der Aniverfität und eine beim Brucner-Denfmal im Stadtpark, ein Empfang 
im Unterrichtsminifterium, zwei Darbietungen im Rundfunk, die Sröffnung einer 
Brucner-Ausftellung in der IYMationalbibliothef, mehrfacher Sottesdienjt mit 
DBruchnerjher Mufif und ein an fih wohlgelungenes und beachtensivertes Kon- 
zert in Klofterneuburg (im Rahmen der dortigen Stiftsfeier), die Fefjtteilnehmer 
in Anfpruch nahmen. Wer das überhaupt bewältigen fonnte, deffen Nerven 
waren zulegt jo jehr erfhöpft und dejfjen Empfänglichfeit jo fjehr abgejtumpft, 
daß der Feftgedanfe fich nicht mehr rein auswirken fonnte. Das „Monfter- 
Chorfonzert“ im großen Konzerthausjaale war {mon für fich allein eine {chivere 
Zumutung an die Aufnahmsfähigfeit der Befucher. Dier fleinere/ Chöre, 
„Sermanenzug“, „Helgoland“, der 150. Pfalm und das „Te Deum“ — mit 
etiva 1000 Mittvirfenden — das ift feine Brucner-CShrung-. IMan Sdenfe, wie 
das „Te Deum“ fjonft, nach einer Sinfonie, wirft und wie es diesmal einfach 
nur das erfehnte Schlußftüc war. Auch widerfpricht die Bezeichnung „Mon- 
iterfonzert“, Siejes- abfjeheuliche Ketflameivort, dem Sinne einer fünftlerifchen 
Feier und dem Wejen Brucners. 
Trog der Yeberfülle des Sebotenen famen die aufrichtigen Berehrer Brucners 
nicht völlig auf ihre Rechnung. Die 2. und 3. Sinfonie fehlten, von der 
7. war nur das Adagio zu Hören. And in diejfem Adagio fehlte der berühmte 
DBedenihlag auf dem Sipfelpunkte der legten Steigerung! Nicht mit Unrecht ijt 
gejagt worden, daß, wenn je ein DBedenfchlag in einem {jinfonijchen Werke 
wichtig und nötig war, dies hier der Fall fjei; alle anderen BekenfHläge fönne 
man Teichter entbehren. DBrucdner Hat dies au) eingefehen und die Partitur 
noch zuleßt, vor der erften Aufführung der Sinfonie in Leipzig 1884, in 
diejer Form ergänzt. Aber weil ihm feine Freunde dazu geraten Hatten 
und weil.die HaANDdjHrTIft der Partitur diejen Beefkenjchlag noch nicht auf- 
weijt, darf er jeßt nicht gefpielt werden! Für die Internationale Brucner- 
Sejellichaft- und die von ihr beeinflußten Beranftalter haben die zu Brucners 
Lebzeiten erjdhienenen, don ihm fjelbfjt überprüften und genehmigten Drude feine 
Seltung mehr, wenn fie nicht mit den erhaltenen Handfchriften übereinftimmen. 
In unferer Zeitfchrift ft gegen diejen groben Irrtum bereits nachörüclich Stel- 
lung genommen worden. Auch im Deutjhen Reiche mehren jich jet die Stim- 
men gegen die willfürlihe Beborzugung fjogenannter Originalfajjumgen, Die 
dem mit der Alrbeitsiveije Brucners und der Sefjfchichte feiner Werfe Bertrauten 
nichts anderes bedeuten als vorläufig legte Fajfungen, die anläßlich der Druck- 
legung nocmals überarbeitet wurden; die demnach gewiß einzig und allein 
von Bruckner Herrühren, denen gegenüber jedoch die geörudten Partituren in 
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