Full text: Jacob Alt's Artistischer Nachlass im Österreichischen Kunstverein

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Jacob Alt war am 27. September 1789 zu Frankfurt am 
Main geboren; er zeigte schon als Knabe ein ungewöhnliches 
Talent und eine unwiderstehliche Neigung zur Malerei, deren 
Anfangsgründe er bei dem Porträtmaler Beer erlernte. Das 
Bildniss seiner Mutter, das er als vierzehnjähriger Junge malte, 
erregte die Aufmerksamkeit vieler Kunstfreunde, welche in 
seinem elterlichen Hause verkehrten. Als Jüngling von 21 Jahren 
beschloss er, zu seiner vollkommenen Ausbildung Italien zu 
besuchen; auf der Fahrt dahin wurde er von schönen Augen 
in Wien festgehalten und vermälte sich hier ım Jahre 1811. 
Kurze Zeit blieb er noch der Bıldnissmalerei treu, und seine 
Miniatur-Porträts waren sehr geschätzt; bald aber wendete er 
sich der Landschaftsmalerei zuj eine Reihe von trefflich aus- 
geführten Guachebildern gibt Zeugniss von der Höhe der Aus- 
bildung, welche er schon damals erlangt hatte. Zu jener Zeit 
lag die Aquarellmalerei eben noch in der Kindheit. Jahrelang 
war er auch als Lithograph thätig und gab mehrere umfang- 
reiche Werke heraus, wozu er die Aufnahme nach der Natur, 
sowie die Ausführung auf den Stein selbst besorgte. Wir 
erinnern diesfalls an „Die Donau vom Ursprung bis Belgrad” 
(1818— 18109), das Salzkammergut (1823—1824), dann Wiener 
Ansichten und Ansichten aus den österreichischen Alpenländern 
(80 Blätter). Eine bedeutende Anzahl von Aquarellen malte er 
im Auftrage des Kaisers Ferdinand, 
Seine Gemälde erzählen uns beredter von seinen vielen 
Fahrten in Oesterreichs Alpenländern, in Dalmatien, Ungarn, 
Deutschland und Italien, als dies die glänzendst geschriebenen 
Schilderungen vermöchten. 
Vom Jahre 1848 an widmete er sich mit liebevoller Hin- 
gebung dem Studium der Flora von Wiens Umgebung, seine 
Blumenporträts sind so mustergiltig wie seine Landschaften 
und Architekturen, und bei der Treue, mit welcher er jede 
Pflanze in ihrer Eigenart darstellte, ist wohl der Wunsch ge-
	        
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