Full text: XXXII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien

  
WETTE SEGEN 
  
lassen Fischers „Bäume am Elbeufer“ (1908) 
erkennen. Klaräugig gesehen, wird hier nichts 
verschleiert und nichts durch eine, als Kunst- 
mittel des Radierens nicht zu unterschätzende, 
Leere suggeriert; wenn Otto Fischers, des 
Vielversuchenden, Trachten danach gerichtet 
ist, darf man ihn zu dem selten erreichten 
Ziel, ein Ideal verwirklicht zu haben, be- 
glückwünschen. 
Oo 
Der Aquarellist Ludwig Rösch löst seine 
Farben und wäscht seine Pinsel erst seit 
kurzem wieder im Hochquellenwasser, ob- 
wohl er ein im Grunde seiner Heimat an- 
hängiges Wiener Kind ist. Doch mag einer 
noch so sehr sich als „reinen Aquarellisten“ 
bekennen, den Pinsel zu feuchten ist ihm 
bald ein Brunnen oder Gerinne gut genug, 
wenn ihm sonst nur die Gegend taugt. Und 
Rösch ist eben Landschafter, einer von der 
älteren Wiener Schule, insofern als er, der 
Generation derer vom Jahre 1864 angehörig, 
die Lichtenfels-Klasse der Wiener Akademie 
besuchte, besuchen sollte, denn er hat es 
bald vorgezogen, dem Schulzwang entfliehend, 
auf eigene Faust sich zu fördern. Am Be- 
ginn seines Wanderlebens geriet er nach 
England, dem klassischen Land des Groß- 
betriebes in Wasserfarben. Unbotmäßig und 
weil ihm der dunkle Drang, der so oft 
zum klarsten Erkennen führt, es so be- 
fahl, kehrte er auch dieser Schulung bald 
den Rücken. Rösch wollte zunächst nur 
einen Streifzug durch Spanien machen, aber 
für ihn wie für so manchen Deutschen liegt 
im Süden ein sympathetischer Magnetstein, 
der einen nicht so bald sich losreißen 1äßt. 
Je ein Jahrfünft verbrachte Rösch später zwar 
in Paris, in dessen Umgebung (Barbizon, 
Marlotte) er sich mit Temperamalerei und 
Kohlezeichnungen gütlich tat, und in der 
Schweiz, aber am längsten fesselte ihn 
Spanien. Vornehmlich zwischen Sevilla, 
seinem Winterquartier, und dem kühleren 
Cuenca ging da sein Weg; in Madrid prä 
miierte man seine Blätter und fand sie der 
Aufnahme ins Staatsmuseum würdig. 
Eine so üppige Vegetation ihn umgrünte 
und so viel des urtümlichen Volkslebens 
ihn farbenjubelnd bestrickte, seine Vorliebe 
blieb der Architektur, zumal der maurischen 
und der gotischen, zugewendet. Alle Tif 
telei, der man bei ihm nur in gewissen Feder- 
zeichnungen begegnet, legte er zugunsten 
eines breit flüssigen Vortrags ab; so gelang 
ihm die Transparenz der Farbe bei der 
Wiedergabe des von der Sonne würzig durch- 
wärmten Marmors, wie denn überhaupt Rösch 
auch in der Dämmerung oder im Frühnebel 
das Durchsichtige der von Feuchtigkeit ge- 
tränkten Atmosphäre sucht. So auch zog es 
ihn jüngst in Italien nach den Höhen von 
Assisi, nicht nach dessen Mystik, und als 
er, wie einen Markstein seiner Wiederkehr 
in die Heimat, den Stephansturm abschilderte, 
brachte er nur einen Ausschnitt des ehr- 
würdigen Gemäuers aufs Papier, von Wiener 
Großstadtluft umwittert, ein Fragment, wenn 
man so will, Rösch hat eben erkannt, daß 
alle Kunst auf der richtigen Wahl eines 
Wesentlichen beruht. 
  
  
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