Full text: 241. Ausstellung – Oesterreichischer Kunst-Verein in Wien – August 1873

  
Apollo’s. Wie im triumphirenden Grössenwahnsinn tritt er seiner Umgebung 
nicht als Kaiser, sondern vielmehr als Gott entgegen, den überschäumendax 
Becher erhebend und mit der Linken in die Saiten der Lyra greifend. Eine‘ 
Schaar üppiger Römerinen mit Kränzen umd Cymbeln drängt aus den 
berühmten schattigen „Gärten des Nero“, welche mit ihren Hainen von Lor- 
beeren, Granaten, Steineichen und Cypressen hinter den blumergeschmückten 
Bogengängem und Säulen sich ausdehnen, nach dem Vordergrunde des 
riesigen. Palastes, um den Kaiser als ihrem Gott eim Opfer darzubringen. 
Von dem trunkenen Jubel, der Nero’s Gesang begleitet, wiederhallt der ganze 
Palast, und Beifall klatschend beugt sich der Präfect Kom’s, Tigellinus, vor 
dem kaiserlichen Sänger. Die übrigen Senatoren jedoch, darunter jener mit 
der Pergamentrolle, den Nero zu seinem Vorleser ermiedriget hatte, blicken 
mit Scham und zornfunkelnden Augen auf das Bacchanal und lassen bereits 
eine drohende Verschwörung ahnen. Auch die trotzigen germanischen 
Krieger auf den Stufen des Palastes wenden sich mit Abschen von der 
wüsten Scene ab. 
  
  
Nero’s Lüste sind gesättigt. Um dem Feste ein prächtiges Ende zu 
geben, verwandelt er die weiten Strassen vor den Marmortreppen in einen 
Richtplatz für die christlichen Märtyrer, welchen er den Brand Rom’s zur 
Last gelegt. Petrus wird an’s Kreuz geschlagen und Kriegsknechte sind 
eben beschäftigt, es aufzurichten, so dass das Haupt des Apostelfürsten nach 
unten gekehrt ist. Die neuen Anhänger, welche mit todesmuthiger Ver- 
ehrung bei ihm ausharren, tragen das jüdische Gepräge, während Griechen 
sich um den Heidenapostel Paulus schaaren. Dieser hat voll Fenereifer 
seine Stimme gegen die Gräuel erhoben, die anf der Terrasse vorgeher, 
während ein Lictor bereits das Richtbeil gegen ihn hervorzieht und ein 
Scherge einen Geiselstrick gegen den Jüngling schwingt, welcher Gerech- 
tigkeit und Schonung fordert. Links im Vordergrunde ist ein Bekenner des 
W Christenthums, in Thierfelle gekleidet, an einen Pfahl gebunden, wo er mit 
; Pech bestrichen, sammt anderen Leidensgenossen später als brennende 
Fackel zur Verherrlichung des Festes leuchten soll; die Gattin hebt ihm 
das Kind zum letzten Kusse empor. Andere Christen verharren in dumpfen 
- Schmerz und in Trauer versunken. Einige Mädchen weisen erregt nach den 
; Stufen aufwärts, wo eine der Ihrigen, um sich zu retten, zu den halbnackten 
Götzendienerinnen hineilen will, doch von plötzlicher Scham ergriffen inne- 
hält und sich zu verhüllen sucht, 
  
  
  
Die Christen in ihrer geistigen Grösse,-der sittliche Ernst der im 
Vordergrunde des Gemäldes sich abwickelnden Vorgänge ist zur schwel- 
gerischen Selbstvergötterung des entarteten Heidenthums in: ergreifenden 
Contrast gesetzt. Während das Heidenthum,. welches uns der Meister mit 
seiner ganzen Formenpracht in üppigster Lebensfülle vor Augen führt, 
seine Orgien feiert, gehört die Zukunft bereits dem werdenden Leben des 
jungen Christenthums, 
Oelgemälde. 
2, Eichler H. in Rom, Letzte Schlacht im 30 jährigen Kriege. Oelbild. 
Verkäuflich. 
  
  
  
 
	        
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