Full text: 372. Ausstellung – Oesterreichischer Kunst-Verein in Wien – Januar 1889

  
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selbst. Das dem Wesen des auf Erden wandelnden KErlösers fremde 
gewaltsame Eingreifen ist.nicht in der Action selbst da'gestellt, sondern 
vielmehr in dramatischer Scenerie die‚ideale Macht des heiligen Hifers 
für reine Gottesverehrung dem vulgären Treiben gegenühergestellt, wel- 
ches die Religion‘ zur Geschäftssache missbraucht 
Vortrefflich sind. einige Jüngere charakterisirt, Petrus, der immer 
vorschnelle, hat das symbolische Verweisen des Handelsvolkes in’s 
Thatsächliche umgesetzt, und als einer der Krämer seinen Mund zu 
Schmähungen aufthut, eilt er hinzu und stopft ihm mit energischem 
Griffe das Lästermaul. Johannes, an dem rothen Gewande erkennbar, 
sucht in mildester Weise ein mahnendes Wort zu reden, während 
Jakobus an der anderen Seite seines Meisters die andringenden Weiber 
zurückweist. Unter den nachfolgendeh „Jüngern, erblickt man auch die 
Mutter Christi, und als Zeichen, dass die Mahnung des HErlösers 
nicht auf steinigen Boden gefallen, sieht man von allen Seiten Frauen 
ehrfurchtsvoll auf//den ‘gewaltigen! Rabbi ‘blicken: Kein einsichtsvoller 
Maler lässt das Vorrecht der Frauen unverwerthet, schön zu sein, und 
Frank Kirchbach hat deshalb in seinem Bilde meist anmuthige Frauen 
vorgeführt. Das alte Fischweib bildet eben nur einen wirksamen Gegen- 
satz zu den hübschen jungen Frauen. 
Aufgebaut sind die Volksgruppen, welche in den grossen Raum 
des prächtigen Gemäldes gestellt wurden, mit sicherem Takte und echt 
künstlerischem Geschmacke Die. Obstverschleisser, das alte Fischweib 
die Schlächter im Hintergrunde, die Geldwechsler, die Verkäufer von 
Goldgefässen, die Geschirrhändlerinnen und andere Krämer sind durch- 
wegs mit überzeugender Lebenswahrheit, mit vollem Heraustreten be- 
stimmter persönlicher Eigenart dargestellt. Innere Vorgänge, wie Erre- 
gung, Erbitterung, Rachsucht und ‚die Vorsicht der Muthlosigkeit geben 
sich treu und lebenswahr kund: 
Was das Beiwerk betrifft, so möchte man — wenn man nahe an 
das Bild herantritt — glauben; es seien diese‘ Dinge zu sehr ausgeführt 
Ein Stillleben-Maler könnte mit ‘der erreichten Wirkung ganz zufrieden 
sein. Stellt man sich ‚aber, in die richtige Entfernung, so dass die Ge- 
sammtwirkung zur Geltung kommt, dann tritt Alles harmonisch zu- 
sammen und die Hauptgruppe in ihrer.Bedeutung leuchtend hervor. 
Auch die Stimmen der grossen englischen Journale sind voll 
des Lobes über Frank Kirchbach’s Colossalgemälde. 
  
  
  
  
  
  
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