Full text: Gemalt für Kaiser Ferdinand I. von Österreich: I due Foscari von Michelangelo Grigoletti (Curator’s Choice, Nr. 1, 2022)

SABINE GRABNER CURATOR‘S CHOICE 
01/2022 
für eine Oper verwendet wurde (I­ due­ Foscari, uraufgeführt 1844 im Teatro 
Argentina in Rom). 
Die Gesch ichte der beiden Foscari trug sich Mitte des 15. Jahrhunderts 
in V enedig zu. Francesco Foscari (1373–1457) war 34 Jahre lang Doge der 
Seerepublik und somit der am längsten amtierende Reg ent der S erenissim a. 
Unter ihm erlan gte die Republik V enedig ihre größte territoriale Ausdeh nung , 
all erdings verschlangen die dafür notwendigen Kriegszüge Unsummen, was 
die Bevölkerung erzürnte. Unterd es sen kam es zur Ausweitung der Handels- 
bezi ehung en, damit zur V ermehrung des W ohlstands der V enezia nerin nen 
und V enez ianer und daraus resultierend zur regen Bautätigkeit in der Lagu- 
nenstadt. 
Doch hatte der Doge Feinde. Um sein Anseh en zu beschädigen, beschul- 
digte man Jacop o Foscari, sei nen einzi gen über l ebenden Sohn, zunächst der 
Korruption und dann sogar des Mor des. Obgleich nich ts für die Schuld des 
ju ngen Foscari sprach – denn für das eine gab es keine Bew eise und für das 
andere konnte ihm auch unter Folter kein Geständnis abgerungen werden –, 
stimmte der Doge der V erban nung des Beschuldigten zu. Jacop os Tod bald 
darauf auf Kreta brachte den Vater schließ lich an den Rand der V erzweiflung. 
Dazu kam wenig sp äter die Schmach, durch den Rat der Zehn eigenmächtig 
des Amtes enth oben zu werden. Endgültig gebrochen starb Francesco Fosca- 
ri am 1. November 1457 in s einem W ohnhaus, dem Palazzo Foscari am Canal 
Grande. 
Grigoletti wählte für seine Darstell u ng die letzt e Begegnung von Vater 
und Sohn und ließ diese in einem Raum des Dog enp alasts sp ielen, wie die 
bleiern en Dächer der Basilica di San Marco hi nter den Fenstern erk ennen 
las sen. Der Maler legte großen Wert darauf, die Emotionen der Protagonis- 
ti nnen und Protagonisten zu akzent uier en. Gesichts ausdr uck und Körperhal- 
tung betonen des Dogen U nen tschiedenh eit und auch sein Unv ermögen, den 
Fall neu aufzu r ollen, um die Unschuld des So hnes bew eisen und zugleich 
die Hint ermä nner der Intr ige aufdecken zu können. Die V aterliebe unterliegt 
der Pflichterfüllung, unter der schweren Am tstracht tritt der Mensch in den 
Hintergrund. Dabei vermag weder das Klag en der Frauen etwas a uszur ichten 
noch der ung l ückliche Sohn, der auf den Knien ruht und einen letzten Weg 
zum Her zen des Vaters such t, indem er den Saum von dessen Mantel berührt. 
Das Gemälde traf Anfang 1843 in Wien ein und wurde zun ächst im Ritter- 
saal der Hofburg einem ausgewählten Kreis präsen tiert . Danach fand es ei- 
nen Platz in der Akademi e-Ausstell u ng im Gebäude des k. k. p oly tech nischen 
Insti tuts. Grig oletti , der sich zu dies er Zeit in der K a iserstadt aufhielt, wurde 
zum Mitglied der kaiserlichen Akademie der bildenden Kü nste erna nnt 3 und 
erhielt für das Bild ein Honorar von eintausend Dukaten. 4 
Grigolettis Gemälde g enoss da mals in Wien große Popularität, denn zum 
einen war die Lithografie, die der v enezi anisch e Zeichner Michele Fanoli da- 
nach gefertigt hatte, in fast allen K unsth andlungen der K a iserstadt aus ge- 
stellt,5 zum anderen wurden das Bild und sein hist or ischer Hintergrund in 
viel en Zeit ungen besprochen. 6 An der Darstell un g lobte man „die energische 
Größe der Charactere“ , die „mit seltener Wahrheit und Würde a usgedr ückt“ 
worden sei,7 bekrittelte j edoch die breit angelegte Darlegung des Gesche- 
hens, was im Übrig en typisch für die oberi talienisch e Histo rien maler ei des 
34567Walter Wagner, Die­Geschichte­der­Akademie­der­bildenden­Künste­in­Wien, NF, Bd. 1, Wien 1967, S. 426. – Walter Cerny, Die­Mitglieder­der­Wiener­Akademie.­Ein­ 
geschichtlicher­Abriss­auf­Grund­des­Quellenmaterials­des­Akademiearchivs­von­1751­bis­1870, Wien 1978, S. 33. 
Österreichisches Staatsarchi v , HH StA, OKäA-B, 1843, Rubrik 44, Zl. 1325 und Zl. 1456 (Dankschreiben Grigolettis). Eintausend Dukaten entsprachen Mitte des 
19. Jahrhunderts ungefähr 4 500 Gulden Conventionsmünze. Zum Vergleich: Peter Krafft, damals Direktor der kaiserlichen Gemäldegalerie, verdiente zweitausend 
Gulden im Jahr. 
Wiener­Zuschauer, Nr. 73, 19 .6.1843, S. 774f. 
Die wohl kri tisch ste Auseinandersetzung mit dem Gemälde: Eduard Melly, „Die Kunstausstellung im Jahre 1843“, in: Kunstblatt­ VII, Beilage zu Sonntagsblätter, 
2. Jg., Nr. 25, 18.6.1843, S. 597–599 . – Wiener­Zeitung, Nr. 154, 5.6.1843, S. 1191. 
Oesterreichischer­Beobachter , Nr. 134, 14.5. 1843, S. 532. 
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Abb. 2: Gi useppe Molteni, Die­Beichte, 
1840, Öl auf Leinwand, 113,5 × 89,5 cm. 
Quelle: Romantici­Italiani­provenienti­dalla­ 
Casa­d’Austria­e­Collezione­Bolasco (Aukt.- 
Kat. Galleri a Scopinich, Mailand), Mailand 
1928, Tafel VII 
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Abb. 1: Francesco Hayez , Die letzte 
Zusammenkunft von Jacopo Foscari mit 
s einer Familie (I­due­Foscari),­1838 – 40, Öl 
auf Leinwand. Quelle: Rom antic i­Italiani­ 
provenienti­dalla­Casa­d’Austria­e­Collezio- 
ne­Bolasco (Aukt.-Kat. Galleria Scopinich, 
Mailand), Mailand 1928, Tafel IV
	        
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