Full text: Von Frauen bewundert, von Männern unverstanden? Max Klingers Urteil des Paris (Curator's Choice, Nr. 2, 2022)

ROLF H. JOHANNSEN CURATOR‘S CHOICE 
# 2 / 2022 
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in sein en Briefen, schrieb angesicht s des Urteils des Paris von einer 
„Vision“, aber auch, dass es von Frauen aufrichtiger bewundert wurde 
als von Männern. Letztere standen dem Bild zum eist „absolut fremd 
und verständnißlos“ gegenüb er . 10 Doch Hummel wollte mehr, wünschte 
Das Urteil des Paris in einer öffentlichen Sammlung zu sehen . Sein Blick 
fiel auf die in Gründu ng begriffene Moderne Ga lerie in Wien, die heuti- 
ge Österr eichisc he Galerie Belvedere. Für den gepla nten Muse umsn eu- 
bau sch lug Hum mel einen K linger gewidmeten Raum vor, für den er Das 
Urteil des Paris mit der Auflage stiften wollte, dass die Galerie Klingers 
Kreuzigung Christi und Christus im Olymp anka ufe 
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Abb. 6). Humm els 
hochtrabende Pläne zerschlugen sich. Zwar stiftete er 1901 Das Urteil 
des Pa ris, das im März 1903 in Gegenw art von Klinger in T riest abge- 
baut und nach Wien verschickt wurde 
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Abb. 7); auch wurde Christus 
im Olymp 1901 für die Modern e Ga lerie erworben, doch unterblieb der 
Ankauf der Kreuzigung Christi (Museum der bildend en Künste Leipzig) 
eb enso wie der Neubau eines Museu ms. 11 Obw ohl seine St i ftungsidee 
damit unterlaufen wur de, erklä rte Hummel sich im März 1903 mit der 
„provisorischen“ Auf stellung der B ilder im Unteren Belv edere einverstan- 
de n,12 soda ss bei Eröffnung des ersten Muse ums für zeitgenössische 
Kunst in Wien Das Urteil des Paris im ehemaligen Paradeschlafzimmer 
des Prinzen Eugen 
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Abb. 8) und Christus im Olymp im Marmorsaal 
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Abb. 9) des Sc hlosses zu sehen war. Enthusiastisch schrieb der 
Kunstkritik er und W egber eiter der Wiene r Secession Ludwig Hevesi 
im Juni 1903: „Das ‚Urteil des P aris‘ ist für Wien die grosse Novität der 
m odernen Ga lerie. Die ungeteilte Bewunderung, die es find et, lässt 
erkennen, wie gründlich der Erdball sich gedreht hat, se itdem, vor fünf- 
zehn Jahren, die öffentliche Meinung Dr es dens die Erwerbung die ses 
Bildes für die dortige Ga lerie vereitelte. " 13 
10 Zit. nach Max Lehrs, „Alexander Hummel und Max Klinger“, in: Zeitschrift für bildende Kunst, N. F., 26. Jg., 1914, S. 29–52, S. 34f. (Auszug aus einem Brief von 
  Alexander Hummel an Max Lehrs). 
11 Max Klinger, Kreuzigung Christi, 1890, Öl auf Leinwand, 251 × 465 cm, Museum der bildenden Künste Leipzig; 
 vgl. https://mdbk.de/site/assets/files/2605/mdbk_klinger_kreuzigung.1200x0.1583492651.jpg (zuletzt besucht am 22. 7. 202 1). 
12 Schenkungsvertrag zwischen Alexander Hummel und dem k. k. österreichischen Ministerium für Kultus und Unterricht, Wien, 10. 3. 1903 (Abschrift), 
  Arch iv des Belvedere, Wien. 
13 Kunstchronik, 12. 6. 1903, Sp. 460.K 
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Abb. 8: Max Klinger, Das Urteil des Paris, 1885 –87, 
Moderne Galerie, Unteres Belvedere, Präsentation des 
Bildes im ehemaligen Paradeschlafzimmer des Prinzen 
Eugen, 1903, Fotografie, Archiv des Belvedere, Wien; 
Foto: Belvedere, Wien 
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Abb. 9: Max Klinger, Christus im Olymp, 1897, Moderne 
Galerie, Unteres Belvedere, Präsentation des Bildes im 
Marmorsaal, 1903, Fotografie, Archiv des Belvedere, Wien; 
Foto: Belvedere, Wien
	        
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