Full text: Künstlerische Folgen einer Steinigung. Franz Xaver Wagenschön und seine Vorbilder (Curator's Choice, Nr. 5, 2023)

GEORG LECHNER CURATOR‘S CHOICE 
# 5 / 2023 
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ABSTRACT 
KÜ NSTL ERISCHE FOLGEN EINER S TEINIGUNG. 
FRANZ XAVER W A GENSCHÖN UND SEINE V ORBILDER 
GEORG LECHNER 
Aufgrund des klein en Formats und der kün st lerischen Praxis liegt es nahe, in dieser Stein igung des heiligen Stephanus 
eine V orarbeit für ein gr ößer es Werk zu sehen. T atsächlich besteht eine starke Ähnlichkeit mit dem Hochaltarbild der 
Pfarrkirche von Kirchberg am Wagram. Dabei h andelt es sich j edoch um ein mittlerweile anerkanntes Gemälde von Carlo 
Innocenzo Carlone, während der sogenannte Entwurf die Signatur von Franz Xaver Wagenschön trägt. Dies ist ein Umstand, 
der nach einer alternativen Interpretation verlangt. Der Blick auf das bekannte Œuvre von W agenschö n zeigt, dass er sich 
immer wieder mit den Elaboraten ander er Meister beschä ftigte und sich von diesen für seine eigenen Werke i nspirier en 
ließ. Im Fall der Stein igung des heiligen Stephanus hat der Maler die K omposition zwar weitgehend ü bernomm en, ihr in der 
Ausführung aber seine persönliche künstlerische Handschrift verliehen. Diese wiederum ist von der K en ntnis der Gemälde 
von Martin Jo hann Schmidt, genannt Kremser Schmidt, geprägt, was i nsbesond er e in der Bildbeleuchtung sein en Nieder- 
schlag gefu nden hat. Diese r Umstand lässt auf eine Datierung in den Zeitraum zwischen 1770 und 1780 schließen. Ob eine 
gr oßf ormatig e Ausführun g intend iert war, ist zum de rzeitigen Z eitpunkt nicht zu klären. Der Ausführungsgrad und die Exis- 
tenz der Signatur lassen auch an ein se l bstständiges Werk denken, dessen Fun ktion es möglicherweise war, die V orlagen- 
sammlung des Künstlers zu er gänzen . 
The small f ormat of this Stoning of St. Stephen as well as artistic practices of the time suggest that it was a preliminary 
work for a larger painting. Ind eed, it bears a strong resemblance to the high altarpiece at the pa rish chur ch in Kirchberg 
am Wagram. However, that painting has since been identified as a recognized work by Carlo Innocenzo Carlone, whereas 
the smaller “sketch” bears the signature of Franz Xaver W agenschön. This calls for an alternative interpr eta tion. A glance 
at W agenschön’s known oeuvr e reveals that he continually enga ged with the elaborations of other masters, drawing in- 
spiration from these for his own works. In the case of The Stoning of St. Stephen, although the painter largely adopted the 
composition, he rendered it in his own signature st yle. His st yle, in turn, was influenced by the paintings of Martin Joh ann 
Schmidt, called Kremser Schmidt, and this is reflected especially in the l ighting of the image, indicating that it was p ainted 
between 1770 and 1780. Whether the a rtist intended to follow this with a large-scale painting cannot be clarified at the 
present time. The degree of execution and the existence of a signature also suggest an indepen dent work, possibly an 
addition to the artist’s collection of c opies. c opies.
	        
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