Full text: Lustige Gesellschaft in einer Gondel. Anton Romakos Englandreise im Sommer 1873 und ihre Folgen (Curator's Choice, Nr. 7, 2024)

MARKUS FELLINGER CURATOR‘S CHOICE 
# 7 / 2024 
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Bitte, diese in London weiterzuvermitteln.10 Es könnte sich dabei um 
den Rest jener Werke gehandelt haben, die Romako im August 1882 
bei einer mäßig erfolgreichen Auktion in seinem Wiener Atelier hatte 
versteigern lassen.11 Makins dürfte auch Bilder für sich selbst behalten 
haben, denn letztendlich umfasste seine Sammlung mindestens   
17 Werke von Romako.12 
Auch das undatierte Gemälde Lustige Gesellschaft in einer Gondel 
entstand nach übereinstimmender Meinung von Fritz Novotny und 
Cornelia Reiter in den Jahren direkt nach Romakos Englandreise und 
wurde von Makins erworben.13 Es demonstriert jedenfalls die vielfäl- 
tigen Einflüsse, denen der Maler in England begegnete. Romako war 
ein Künstler, der neue Eindrücke wie ein Schwamm in sich aufsaugen 
und für seine eigenen Werke nutzbar machen konnte. In dieser Hin- 
sicht war auch die Englandreise von 1873 ein prägender Moment für 
Romakos Schaffen. Sie fiel zeitlich in die Periode, in der Romako sich 
zunehmend von der leichten Muse seiner römischen Genreszenen, mit 
denen er bis dahin großen finanziellen Erfolg hatte, distanzierte und 
seiner exzentrischen Kreativität freien Lauf ließ. Die zahlreichen neuen 
Anregungen, die er während der Englandreise empfing, sind in Lustige 
Gesellschaft in einer Gondel bereits vereint. 
Schon die Kostümierung der Figuren verweist auf eine neue In- 
spirationsquelle, der Romako in London begegnet war: die Meister- 
werke des französischen Rokoko. Die führenden Künstler*innen des 
französischen Rokoko waren in London um die Mitte des 19. Jahrhun- 
derts wieder groß in Mode, vor allem in privaten Sammlungen wie der 
Wallace Collection waren viele repräsentative Werke zu sehen.14 Ob- 
wohl Romako sich schon früher, vor allem während seines Aufenthalts 
in Venedig, mit der Malerei des Rokoko beschäftigt hatte, kam erst 
im Zuge der Reise nach England eine intensive Rezeption zum Tragen. 
Im Hinblick auf das Gemälde Lustige Gesellschaft in einer Gondel ist 
vor allem Jean-Antoine Watteau zu nennen.15 Er war der künstlerisch 
bedeutendste Meister des französischen Rokoko, und zur Zeit von 
Romakos Aufenthalt in London waren in der Wallace Collection sieben 
Werke vorhanden. Fast alle repräsentieren das Genre der fête galante, 
wie es auch Romakos Gemälde aufnimmt. Eine höfische Gesellschaft 
unterhält sich mit Musik und Konversation. Werke wie Les charmes   
de la vie zeigen schon die locker angeordneten Gruppen von feiernden 
Figuren in schillernden Gewändern.16 
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Abb. 3: Ausstellungsansicht Der Außenseiter Anton   
Romako, Oberes Belvedere, Wien, 22. 5. – 12. 7. 1992   
(zweites Bild von links: Lustige Gesellschaft in einer Gondel), 
Archiv des Belvedere, Wien; Foto: Belvedere, Wien 
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Abb. 4: Verkaufsangebot zum Gemälde Lustige Gesell- 
schaft in einer Gondel durch die Chiltern Art Gallery, London, 
an die Österreichische Galerie Belvedere, 1960, Archiv des 
Belvedere, Wien, Nr. 617/60; Foto: Belvedere, Wien 
10 Wie Anm. 6. 
11 Reiter 2010 (wie Anm. 3), S. 26f. 
12 Reiter 2010 (wie Anm. 3), Liste „Pictures by Anton Romako. Property of Brig. General Sir Ernest Makins […]“. – Ebd., WVZ-Nrn. 95, 140, 163, 168, 174, 188, 197, 198, 
  201, 202, 306, 311, 312, 313, 349, 376, 487. 
13 Novotny 1954 (wie Anm. 1), WVZ-Nr. 218. – Reiter 2010 (wie Anm. 3), WVZ-Nr. 349. 
14 Guillaume Faroult / Monica Preti / Christoph Vogtherr (Hg.), Delicious Decadence? The Rediscovery of French Eighteenth-Century Painting in the Nineteenth 
  Century, Farnham u. a. 2014. Die Wallace Collection war zur Zeit von Romakos Aufenthalt im Bethnal Green Branch Museum öffentlich ausgestellt: ebd., S. 145. –   
Catalogue of the Collection of Paintings […] and Other Works of Art Lent for the Exhibition in the Bethnal Green Branch of the South Kensington Museum by 
  Richard Wallace, June 1872, 8. Aufl., London 1874. 
15 Reiter 2010 (wie Anm. 3), S. 85 – 87.   
16 Jean-Antoine Watteau, Les charmes de la vie, 1718/19, Öl auf Leinwand, 67,3 × 92,5 cm, The Wallace Collection, London,   
https://wallacelive.wallacecollection.org:443/eMP/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=65344 (zuletzt besucht am 22. 3. 2023).
	        
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